Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica will für 26 Milliarden Euro den britischen Mobilfunk-Betreiber O2 übernehmen. Je O2-Aktie werden 200 Pence oder insgesamt 17,7 Milliarden Pfund in bar geboten, teilten die Unternehmen am Montag in Madrid und London mit. Die Marke O2 soll erhalten bleiben. Der O2-Aufsichtsrat rief die Aktionäre auf, das Angebot anzunehmen. Mit der Übernahme will Telefónica auch auf dem deutschen Mobilfunkmarkt Fuß fassen. O2 Deutschland hat 8,5 Millionen Kunden.

Zusammen kommen die Unternehmen auf 116 Millionen Mobilfunkkunden in Europa und Südamerika. Telefónica würde gemeinsam mit O2 die Deutsche Telekom als zweitgrößten Mobilfunkanbieter Europas hinter Marktführer Vodafone ablösen, der 165 Millionen Kunden unter Vertrag hat.

Das Management von O2 stimmte der Transaktion zu und bot seine eigenen Aktien Telefónica zum Kauf an. Durch den Zusammenschluss kämen zwei schnell wachsende Unternehmen zusammen, die sich geografisch gut ergänzten, sagte O2-Chef Peter Erskine, der das Unternehmen weiterhin führen soll. "Wir können auf dem aufbauen, was wir erreicht haben und müssen uns nicht integrieren und Jobs wegrationalisieren." Eine Fusion sei auch gut für die Verbraucher. Wenn die Regionen der beiden Unternehmen verbunden werden, könnten Kunden von besseren Roaming- und Servicebedingungen profitieren.

Telefónica hatte über seine Beteiligung an Quam schon einmal versucht, Mobilfunk-Dienstleistungen in Deutschland anzubieten. Im November 2002 zogen sich die Spanier allerdings wegen mangelnder Erfolgsaussicht von Quam zurück und ließen ihre für 7,5 Milliarden Euro ersteigerte UMTS-Lizenz verfallen. 02 Deutschland begrüßte die Übernahme. Das Wachstum des Unternehmens werde sich dadurch beschleunigen, sagte ein Firmensprecher. Ein Stellenabbau sei nicht zu befürchten.

Um O2 rankten sich seit Monaten Übernahmegerüchte. So prüften bereits die Deutsche Telekom und die niederländische KPN einen Erwerb des Unternehmens, nahmen davon aber wieder Abstand. O2 gilt mit einem Kundenbestand von 24,6 Millionen als zu klein, um auf dem europäischen Mobilfunkmarkt alleine bestehen zu können. Das britische Unternehmen, das aus einer Abspaltung von der BT Group (früher British Telecom) entstand, ist in Großbritannien, Deutschland und Irland aktiv. Telefónica kaufte in diesem Jahr schon die tschechische Cesky Telecom und eine Reihe lateinamerikanischer Mobilfunkfirmen.