Es ist nun schon drei Wochen her, dass es bei der konstituierenden Sitzung des 16. Deutschen Bundestags zum Eklat kam. Der Vorsitzende der Linkspartei Lothar Bisky verfehlte in allen drei Wahlgängen die notwendige Mehrheit, um einer der Stellvertreter des Bundestagspräsidenten zu werden. Das hatte es zuvor noch nie gegeben. Doch trotz dieser unmissverständlichen Absage durch das Parlament: An diesem Dienstag will Bisky es erneut versuchen. Ob es klappen wird oder nicht, dazu wollte der Sprecher der Linkspartei-Bundestagfraktion, Hendrik Thalheim, am Montag noch keine Prognose wagen. Beim letzten Mal habe man aus den anderen Fraktionen signalisiert bekommen, dass Bisky gewählt werde. Diese Signale seien unzuverlässig gewesen. Sollte Bisky erneut scheitern, sagte Thalheim gegenüber Zeit Online, werde nicht sofort ein anderer Kandidat zur Wahl gestellt.

Unions- und FDP-Politiker hatten nach Biskys gescheiterter Kandidatur Zweifel daran geäußert, dass ein Parteivorsitzender für das überparteiische Amt des stellvertretenden Bundestagsfraktionsvorsitzenden geeignet sei. Zugleich war erneut Kritik an Biskys früherer Stasi-Tätigkeit geäußert worden. Bisky hatte daraufhin erklärt, er werde Fragen zu seiner Person beantworten. Solche Fragen habe es bis jetzt jedoch nicht gegeben, sagt Thalheim.

Nicht desto trotz ist der Widerstand bei Union und FDP gegen eine Wahl Biskys nach wie vor groß. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt sagte der dpa, er habe Linkspartei-Fraktionschef Gregor Gysi auf die Risiken von Biskys erneuter Kandidatur hingewiesen. Wie er selbst an diesem Dienstag im Bundestag abstimmen werde, ließ Gerhardt offen. Bei der geheimen Wahl vor drei Wochen hatte er nach eigenen Angaben für Bisky votiert. Man werde den Abgeordneten keine Empfehlung geben, so Gerhardt.

Auch die Union überlässt es offenbar ihren Parlamentariern, wie sie in dieser Frage entscheiden. Besonders deutlich äußerte der Vorsitzende des "Parlamentskreises Mittelstand", Hartmut Schauerte, seine Ablehnung. "Ein Parteichef eignet sich nicht für ein solches Amt, in dem man alle Fraktionen repräsentieren muss. Wir wählen Herrn Bisky am Dienstag nicht." Dem Kreis gehören123 Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion an.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hatte am Sonntag dagegen gesagt, er hoffe, "dass wir dieses Thema jetzt zügig abschließend erledigen können". Die Vorgänge vom 18. Oktober seien keine besonders glanzvolle Erfahrung gewesen. Lammert hat nach eigenen Angaben für Bisky gestimmt.

Der Parlamentarische Grünen-Geschäftsführer Volker Beck warb für eine Wahl Biskys. "Wir werden unserer Fraktion die Wahl Biskys vorschlagen. Wir sehen keinen Grund, warum der Personalvorschlag der Linkspartei nicht akzeptiert werden sollte und bitten auch die Kollegen der anderen Fraktionen, die ihn das letzte Mal nicht gewählt haben, noch einmal darüber nachzudenken", sagte er. Auch SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler sagte: "Ich werde Bisky wählen." Es gebe einen Konsens, dass jede Fraktion im Bundestag Anspruch auf einen Parlamentsvize-Posten habe. "Deshalb sollten wir auch den Vorschlag der Linkspartei akzeptieren."

Doch auch in der SPD ist Bisky nicht unumstritten. Vorbehalte äußerte zum Beispiel der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs. Er habe ein Problem mit Bisky, weil dieser Vorsitzender der "Rechtsnachfolger der SED" sei, sagte er. Und auch Susanne Kastner, eine der beiden Vize-Bundestagspräsidenten der SPD, betonte, es gebe auch in ihrer Fraktion Widerstand gegen Bisky.

Um gewählt zu werden braucht der Vorsitzende der Linkspartei eine einfache Mehrheit. Das rot-rot-grüne Lager hat im Bundestag 327 Stimmen, das schwarz-gelbe Lager 287. Beim letzten Mal hatte Bisky in den ersten zwei Wahlgängen zwar eine einfache, aber keine absolute Mehrheit. Als er im dritten Wahlgang nur noch die einfache Mehrheit gebraucht hätte, hatte er auch die nicht mehr. Die Sitzung am Dienstag wird also spannend.