Ein schwerer Schlag für Tony Blair. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass seine Autorität angeschlagen ist, dann wurde er am Mittwochabend im Unterhaus geliefert. In der Abstimmung über die kontroversen Antiterrorgesetze der Regierung wurde dem Premier die erste Abstimmungsniederlage seiner achtjährigen Amtszeit erteilt. Die Labourmehrheit von 66 fiel; 49 Abgeordnete der eigenen Partei verweigerten dem Premier die Gefolgschaft und stimmten zusammen mit den Parteien der Opposition gegen den Gesetzentwurf der Regierung.

Das Gesetz sollte es der Polizei erlauben, des Terrorismus Verdächtige bis zu 90 Tagen festzuhalten, ohne dass Anklage erhoben werden muss. Doch das Parlament stimmte dem Änderungsantrag eines Labourabgeordneten zu, wonach die Frist von bislang 14 nur auf 28 Tage erhöht wird.

In den Tagen zuvor hatte Blair leidenschaftlich für die 90-Tagefrist geworben und ganz bewusst darauf verzichtet, einen Kompromiss mit den Rebellen aus den eigenen Reihen und der Opposition überhaupt noch anzustreben. Stattdessen hatte Blair die Gesetzgebung zu einer Frage des Prinzips gemacht. Er berief sich auf die Argumente von Polizei und Geheimdiensten, die betonen, sie benötigten die ungewöhnlich lange Zeitspanne wegen des transnationalen Charakters des islamistischen Terrors.

Der Premier konnte sich zugleich auf die breite Zustimmung der Wähler berufen, von denen nach verschiedenen Umfragen zwei Drittel seinen Kurs unterstützen. Die Bedenken gegen den Bruch mit der bisherigen britischen Rechtspraxis versuchte Blair zu entkräften, indem er auf die im Gesetz eingefügten Sicherungen verwies. Alle sieben Tage hätte ein Richter über die Verlängerung der Haft ohne Anklage entscheiden, alljährlich hätte das Gesetz  vom Parlament abermals beschlossen werden müssen.

Doch Blair wählte eine riskante Strategie. Die ist nun gescheitert, auch wenn der Premierminister in einer stürmischen Fragestunde vor der Terrorismusdebatte vorsorglich angekündigt hatte, er werde sich im Fall einer Niederlage als "moralischer Sieger" fühlen. Das dürfte die  Bereitschaft potentieller Labourrebellen erhöht haben, dem Premier eins auszuwischen.

Kein Zweifel: Die Autorität des Regierungschefs auf Zeit - Blair wird zur nächsten Wahl nicht mehr antreten - schwindet. Zwar ist der Premier nun nicht gezwungen, die Vertrauensfrage zu stellen. Blair würde sie ohnehin gewinnen, weil sich Labour trotz aller rebellischen Tendenzen einen Sturz der eigenen Regierung nicht leisten will und darf. Aber sollte ihm auch bei anderen Reformplänen die Gefolgschaft verweigert werden, könnte seine Position unhaltbar werden.

Nach all dem, was aus seiner unmittelbaren Umgebung zu hören ist, will Blair bis Herbst 2008 im Amt bleiben und erst danach seinen Stuhl für seinen designierten Nachfolger Gordon Brown räumen. Zuvor wird der Premier versuchen, seine politische Hinterlassenschaft zu sichern und radikale Reformen in Erziehung und Gesundheitswesen durchzusetzen.

Der Widerstand eines Teils der Labourfraktion ist programmiert. Sollten sich die Gegner des New-Labour-Projekts in Zukunft als ähnlich renitent erweisen wie beim Konflikt um die Antiterrorgesetze, könnten Blairs Pläne über den Haufen geworfen werden. Sicher ist das auch jetzt noch nicht. Der Premier hat in der Vergangenheit des öfteren heikle, ja gefährliche Krisen überstanden. Doch die Uhr tickt. Die Niederlage vom Mittwoch könnte seine innerparteilichen Widersacher dazu veranlassen, das Unabänderliche zu beschleunigen. Am Ende, so sagte einst Enoch Powell, der große alte Mann der Konservativen, sind alle politischen Karrieren zum Scheitern verdammt.