Auf den ersten Blick hatte der Mann mit dem graumelierten Vollbart, der spitzen Nase und den kleinen, wachsamen Augen etwas von einem honorigen Entomologen, der keine größere Befriedigung kennt, als sich wollüstig in die Welt der Schmetterlinge einzuschmuggeln. Und tatsächlich hegte der britische Romancier John Fowles offenbar eine nicht zu unterschätzende Liebe für die Schmetterlinge und ihre geheimen Riten - nachzulesen in seinem großartigen, bereits 1963 erschienenen Roman Der Sammler . Er machte den scheuen und bis zuletzt zurückgezogen in seinem Haus an der See in der englischen Grafschaft Dorset lebenden Autor quasi über Nacht berühmt. Denn wie es Fowles seinerzeit verstand, die Geschichte seines psychopathisch veranlagten und von sinnlichen Zwängen getriebenen Protagonisten Frederick Clegg als beklemmende Geschichte einer Vivisektion zu entrollen, das adelte nicht nur ihren Verfasser als luziden, aufs Abseitige versessenen Forschergeist und literarischen Spieler. Vielmehr katapultierte es den Roman obendrein auf Anhieb in die internationalen Bücher-Charts.

Fowles` makelloses, später von William Wyler in bestechende Filmbilder übersetztes Debüt schilderte mit geradezu klaustrophobischer Dichte die Verwandlung seines fotografierenden und Schmetterlinge sammelnden Helden Clegg in einen perfiden Folterer, der seine Angebetete, die Kunststudentin Miranda kurzerhand entführt und seinem Keller gefangen hält, nachdem sich seine Hoffnung zerschlagen hat, mit ihr ein normales Liebesverhältnis zu haben. Das verschiedentlich mit Vladimir Nabokovs Roman Lolita verglichene und mit mathematischer Kälte und Präzision arrangierte Psychodrama führte seine Leser auf direktem Weg in die Abgründe der menschlichen Existenz; einen Schauplatz, der sich bald als Fowles` bevorzugtes Operations- und Sondierungsgebiet erweisen sollte.

Denn sowohl in seinem zwei Jahre später (1965) erschienenen, fantastischen und von Guy Green mit Michael Caine in der Hauptrolle verfilmten Roman Magus wie auch in dem 1987 auf deutsch publizierten Buch Die Grille offenbarte der Brite sich als Liebhaber der im Finsteren, Unergründlichen wurzelnden Stoffe. So entführte er den Leser in Magus auf eine griechische Insel, um ihn dort Zeuge jenes phantastischen Abenteuers des jungen Nicholas Urfe werden zu lassen, in dessen Verlauf ihn ein psychologisches Experiment an den Rand des Wahnsinns führt. Das Buch avancierte zum Kultbuch für Seelenwanderer - und Fowles, der darüber hinaus eine Reihe konziser Essays und Erzählungen schrieb, genoss fortan den Ruf  eines Dichters des Dunklen, Unheilvollen, der sich bis zuletzt mit Fragen der Schwarzen Magie, pervertierter Sexualität und religiösen Offenbarungen herumschlug.

Auch wenn der öffentlichkeitsscheue und nicht eben sehr produktive Brite für viele der Autor seines Sensationsdebüts Der Sammler blieb, so war es doch nicht zuletzt sein 1981 mit Meryl Streep und Jeremy Irons verfilmter Roman Die Geliebte des französischen Leutnants , der ihm mit fünf Oscar-Nominierungen  - wenn auch indirekt -  den Ruhm und die Anerkennung Hollywoods eintrug. 

Nun ist Fowles, der jahrelang als Lehrer arbeitete, ehe er sich dazu entschloss, seinen lichten, flirrenden Pessimismus in beklemmenden Thriller-Fabeln zu bannen, nach langer Krankheit 79-jährig in seinem Haus in Dorset gestorben.