Immer, wenn die Begeisterung überhand zu nehmen droht, greifen die großen Kritiker tief in die Rhetorikkiste und rufen das Publikum zur Ordnung: Denn es kann doch nicht sein, dass alle paar Wochen eine neue Gruppe des Jahres daherkommt, erst recht nicht, wenn diese zu der unüberschaubaren Zahl der Britpop-Bands gehört.

Bei Maximo Parks erstem Album A Certain Trigger , das Mitte Mai erschien, flogen also die Gedankenfetzen: Reminiszenzen in jedem Takt! Alles gestohlen! Alles schon mal da gewesen! Konkret wusste man zwar kaum etwas zu nennen, das die jungen Briten da kopiert haben sollen, aber egal. Der Stachel war gesetzt, die naive Lobhudelei entlarvt. Von nun an würden die Fans genauer hinhören.

Haben wir versucht, als Maximo Park jetzt nach Hamburg kamen. Es ist uns nicht ganz leicht gefallen, denn der Sound in der Großen Freiheit 36 war so schlecht, dass selbst der Sänger Paul Smith sich immer wieder die Ohren zuhalten musste und später sagte, man werde wohl taub nach Hause gehen. Gleichwohl waren die fünf, die da auf die Bühne sprangen, unverkennbar Maximo Park, und der erste Song war unverkennbar Signal and Sign, der Einstieg ihres Albums.

Wir stiegen also ein – und sofort kam uns ganz viel bekannt vor. Die hackenden Gesten von Smith, seine musikalische Pantomime mit weit aufgerissenen Augen, dazu der irre Gesichtsausdruck des Keyboarders Lukas Wooller – das hatten wir Ende Juni auch in Los Angeles gesehen, als Maximo Park im Troubadour auftraten, einem winzigen Laden, der viermal in den Hamburger Club gepasst hätte.

Damals hatte der Bandleader jeden Song mit "unser nächstes Lied handelt von Menschen, die...(dieses und jenes fühlen)" angekündigt, und die Band war so versiert und cool, dass sie nur die Beine einiger anwesender Briten – und unsere – in Bewegung brachte. Die Amerikaner standen herum, tranken Bier und wollten sich partout nicht mitreißen lassen.

In Hamburg kam es anders. Nach drei Songs hatte sich das Publikum vom Schock erholt, dass die Band tatsächlich um Punkt neun angefangen war. Danach konnte sich kaum noch jemand der Energie widersetzen, die dem Sänger aus jeder Pore strömte. Und das nicht nur während seiner aberwitzigen akrobatischen Sprungeinlagen, sondern auch, als er jeden Song aufs Neue so schön und klar und lyrisch sang, wie es der fabelhafte Jarvis Cocker, mit dem Smith oft verglichen wird, nur selten vermocht hat.