Das amerikanische Unternehmen Tivo will bald einen digitalen Videorecorder anbieten, mit dem man das Fernsehen mitnehmen kann. Tivo-Nutzer sollen ihre Lieblingsfilme und -serien auf Apples Video-iPod sowie auf Sonys mobile PSP-Playstation übertragen können. Von beginn des kommenden Jahres an will die Firma die dazu nötige Software allen Kunden für 15 bis 30 Dollar verkaufen.

Unbegrenzt mobile Videos für nur 15 Dollar: Hollywood gefällt diese Idee überhaupt nicht. Nach Jahren des Abwartens haben die großen Filmstudios in den vergangenen Monaten die ersten erfolgversprechenden Download-Experimente begonnen. So verkauft Disneys Fernsehsender ABC seit Mitte Oktober fünf seiner Serien über Apples iTunes-Plattform. Jede Episode von Serien wie beispielsweise Lost und Desperate Housewives kostet dort knapp zwei Dollar.

NBC Universal hat Anfang November angekündigt, eine Reihe seiner Erfolgsserien per Einzelabruf für 99 Cent über den Satellitenbetreiber DirecTV anzubieten. Ein Sprecher des Konzerns zeigte sich deshalb gegenüber dem Hollywood-Branchenblatt Variety erbost über Tivos iPod-Pläne: "Tivo handelt auf eigene Faust und missachtet die Rechte der Content-Anbieter." Und drohte, wer nicht mit Hollywood kooperiere, riskiere juristische Konflikte.

Allzu viele Kunden wird Tivo den Studios auf absehbare Zeit nicht abspenstig machen. Wer das neue Angebot nutzen will, braucht dafür nicht nur ein passendes mobiles Endgerät, sondern auch ein Heim-Netzwerk, einen Windows-PC zum Konvertieren der Sendungen und ein Tivo-Gerät der zweiten Generation. Wie groß diese Schnittmenge ist, weiß bisher niemand. Tivo gibt an, dass zehn Prozent seiner drei Millionen Nutzer ihr Gerät an ein heimisches Netzwerk angeschlossen haben.

Die Firma will diese Zahl langfristig steigern und sich mehr Unabhängigkeit von Fernsehsendern, Kabel- und Satellitenbetreibern erkämpfen. Mitte November bot Tivo zu Testzwecken erstmals einen Film-Download direkt über das Internet an. Eine Woche zuvor begann man eine umfangreiche Zusammenarbeit mit Yahoo. So können Yahoo-Nutzer ihren Tivo ab sofort direkt über das Web-Portal programmieren. Langfristig sollen außerdem auch Yahoo-Inhalte auf den Festplattenrecorder übertragen werden. Tivo-Nutzer sollen damit Yahoos Nachrichten, Wettervorhersagen und Flickr-Galerien direkt auf dem Fernseher sehen können.

Derartige Kooperationen sind für Tivo überlebenswichtig. Zwar ist das Unternehmen in den USA mittlerweile zum Synonym für digitale Videorecorder geworden. Doch die Zahl der Abonnenten wächst nur langsam. Ein Grund dafür ist der verhältnismäßig hohe Service-Preis. Tivo-Nutzer zahlen knapp 13 Dollar pro Monat oder wahlweise 300 Dollar für die Lebenszeit ihres Geräts. Kabel- und Satellitenbetreiber bieten ihren Kunden schon ab fünf Dollar pro Monat no-name-Geräte mit ähnlichen Funktionen.

Was der Konkurrenz allerdings fehlt, sind kreative Anwender. Tivo hat seit jeher das Interesse von Hackern auf sich gezogen, die mit stillschweigender Duldung der Firma zusätzliche Funktionen für deren Hardware entwickelten. Mitunter lässt sich Tivo sogar von diesen Hacks inspirieren. So erschien die erste von Tüftlern erstellte Software zum Übertragen von Filmen auf den iPod schon Ende Oktober im Netz – ohne jeden Protest der Filmstudios.