Es geht um Codes, gemeinsame Erlebnisse, um Ironie im Umgang mit Zeichen, und darum, dass eine Band sich entwickelt, man voneinander lernt: Der Schweizer Pianist und Komponist Nik Bärtsch inszeniert mit seinen Bands Mobile und Ronin eine groove-orientierte Musik, bei der Struktur und Haltung zählt.

Mit höflicher Radikalität setzt sich Bärtsch von jenen konkurrierenden Musikerzirkeln ab, die seine Sounds als "Tee-Funk" verspotten. Bärtsch selbst spricht da lieber von "Ritual Groove Music". Jeden Montagabend kann man sein Netzwerk im Züricher Club Bazillus erleben, gerade trat Bärtsch beim Unerhört!-Festival in der Roten Fabrik auf. Nach sechs Alben in Eigenregie erscheint im Februar bei dem weltweit bedeutenden ECM-Label seine nächste Aufnahme.

Der 34-Jährige Pianist hat Philosophie und Linguistik studiert, vor zwei Jahren geriet ihm ein längerer Japanaufenthalt, den der gut dotierte Werkpreis der Stadt Zürich ihm ermöglicht hatte, zu einer großen spirituellen Bereicherung. Als er jünger war, hatte Bärtsch viel in so genannten Ad-hoc-Bands gespielt, mit – wie er heute sagt – meist unbefriedigenden Resultaten. "Wir haben eben eine andere Haltung, eine andere Philosophie als die Musiker in den achtziger Jahren", sagt er. "Damals hat man gedacht, man müsse einfach mal ein paar Leute zusammenstellen, um zu schauen, was passiert, wie sich das entwickelt, wie man mit Freiheit umgeht, mit Macht – das interessiert uns aber heute nicht mehr."

Neben "pragmatisch" ist "organisch" sein häufigstes Adjektiv – so will Bärtsch mit seinen Bands arbeiten, "mit einer großen Wachheit, mit Präsenz und Respekt füreinander", nicht abgeschottet, sondern auf Fortkommen bedacht. "Listigen Pragmatismus" nennt er das.

Man kenne das ja aus Japan, erläutert er, "dass der Gruppenspirit wichtiger sein kann als der Einzelne, und ich versuche nun in der Schweiz eine musikalische Gruppenidentität zu erschaffen, die, ganz pragmatisch eben, auch den Zusammenhang im Alltag betont, also das Leben mit unseren Familien, unseren Kindern und so."

Er hat das seltene Glück, in einem Club regelmäßig auftreten zu können, die Leute kämen dahin, "und die Gruppe entsteht wie von selbst". Den Schlagzeuger Kaspar Rast kannte Bärtsch schon als Kind, der Perkussionist Andi Putato stammt aus dem gleichen Viertel, und dessen Schwester ist inzwischen Kaspars Frau – da gibt es also private Verbindungen. Spätestens auf Tour holt sie der Musikeralltag ein. Dann gehe es darum, mit Stress und ökonomischem Druck umzugehen und auch Kritik einstecken zu können.