Kein Beten und Betteln scheint zu helfen: Im Fall der im Irak entführten Deutschen Susanne Osthoff und ihres einheimischen Fahrers gibt nach Regierungsangaben auch weiterhin keine neuen Entwicklungen. Das sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin am Sonntagvormittag. Der Krisenstab bemüht sich unnachgiebig um Kontakt zu den Entführern. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte aber bereits am Samstag gesagt: "Bedauerlicherweise ist es uns in der ersten Woche nicht gelungen, mittelbar oder unmittelbar Kontakt zu den Entführern aufzunehmen."

In einem gemeinsamen Appell wenden sich am Sonntag unterdessen hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft an die Entführer der im Irak verschleppten Deutschen Susanne Osthoff und fordern die Freilassung der Archäologin. Unter der Überschrift "Lasst Sie frei!" rufen Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Chefdiplomat Javier Solana, und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, in der Bild am Sonntag zum sofortigen Ende der Geiselnahme auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Unser Land nimmt Anteil an ihrem Schicksal. Seit mehr als einer Woche befindet sie sich in der Gewalt ihrer Entführer. Die Bundesregierung setzt alles daran, das Leben von Susanne Osthoff und auch das ihres Begleiters zu retten. Dafür arbeiten die Mitarbeiter des Krisenstabes rund um die Uhr. Wir appellieren an die Täter, die Entführten unverzüglich freizulassen."

EU-Chefdiplomat Javier Solana erklärte: "Ich verurteile aufs Schärfste die Entführung von Susanne Osthoff und ihres Begleiters im Irak. Ich wünsche den Entführten und ihren Familien in diesen schwierigen Tagen Kraft. An die Entführer appelliere ich, ihren Terror zu beenden und Susanne Osthoff und ihren Begleiter sowie alle anderen derzeit im Irak entführten Zivilisten sofort freizulassen."

Ähnlich äußerten sich auch Bischöfin Maria Jepsen, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, der Vorsitzende des Islamrates in Deutschland, Ali Kizilkaya, DGB-Chef Michael Sommer, der Vorsitzende des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, FDP-Chef Guido Westerwelle, Grünen-Chefin Claudia Roth, die Vorsitzende von Unicef Deutschland, Heide Simonis, und der Vorsitzende von CARE International Deutschland, Heribert Scharrenbroich.

Das erste Ultimatum der Geiselnehmer war nach übereinstimmenden Berichten der Magazine "Spiegel" und "Focus" bereits am Freitagmorgen verstrichen. Unter Berufung auf Sicherheitskreise hieß es, die Geiselnehmer hätten als Frist drei Tage nach Erstausstrahlung ihrer Video-Botschaft genannt. Das Auswärtige Amt wollte sich nicht direkt dazu äußern. Bei den Tätern soll sich nach Medienberichten um eine Gruppe von Aufständischen handeln, die nicht zu dem für brutale Hinrichtungen bekannten al-Qaida-Terrornetzwerk gehört. Die Arabische Liga und die islamischen Dachverbände in Deutschland verurteilten die Entführung.