Am vergangenen Sonntag in der Hamburger Fabrik: Sie gingen zu sechst auf die Bühne (obwohl's doch eigentlich sieben sein sollten). Vorn links der Posaunist Ho Pepa als dominierende Figur im Unterhemd, muskulöse Oberarme signalisieren Entschiedenheit, der ausgestellte Bauch Lebensfreude. Sein Spiel ist stoßhaft, nicht jazzmäßige Virtuosität wird bewiesen, sondern Impulsivität, die dem Gesamtklang Atem verleiht. Neben ihm Tony Chang, Kornett , und ganz rechts der Sänger Joe Dukie im T-Shirt mit der programmatischen Aufschrift "Dub"; seine Stimme weich, Soul. In der zweiten Reihe Jetlag Johnson an der Gitarre und dann zwei Burschen hinter Kisten mit Knöpfen, aus denen - irgendwie - der langsame, schwingende, elektronisch erzeugte Rhythmus kommt. Kein Bass, kein Schlagzeug.

Sie fingen behutsam an, nahezu beschaulich, sehr entspannt, fast ein wenig langweilig, dabei sehr selbstbewusst. Es musste - auch - an der geographischen Ferne gelegen haben: Auf der Südhalbkugel gelten andere ästhetische Maßstäbe. Je weiter der Abend fortschritt, desto mehr drehten sie auf. Wollte man den Gesamteindruck ihrer Musik auf ein Adjektiv bringen, wäre es smooth .

Unter ihren Mützen, Ozonkappen, entfaltete sich Wärme, ja Verve, die in den norddeutschen Dezember übersprang. New-Orleansige Bläsersätze, durchgängige Reggae-Grooves, viel Echo (Dub!) , stellenweise HipHop. Neuseeland - als Kulturstandort nicht eben renommiert - zeigte seine Stärke in der Adaption der Klänge von anderswo: Reggae klingt im Orginal nicht so rund, HipHop aggressiver.

Und das Publikum! Waren es fünfhundert? Wo kamen sie her? Wie wussten sie von dieser Band? In der Hamburger Radiowüste ist solche Musik nicht zu hören. Waren es die an der Elbe versammelten Neuseeländer? Oder die daheimgebliebenen Familienangehörigen Ausgewanderter, die telefonisch oder per E-Mail zum Konzertbesuch aufgefordert wurden? Das blieb unklar. Man sah junge Menschen, schöne Frauen, auch Farbige. Was ist die Musikwelt heute bunt!

Je länger sie spielten, je beschwingter die Menge hüpfte, desto mehr wich das Selbstbewusstsein der Sechs einem verblüfften Erstauntsein: Sie sind hier auf der anderen Seite des Globus, es kommen all diese Leute, die ihre Stücke kennen, und es geht einfach ab.

Fat Freddys Drop ist eine Entdeckung. Sie spielen noch am 6. in der Berliner Maria, am 7. im Nürnberger K4 Festsaal und am 8. Dezember im Heidelberger Karlstorbahnhof.

 Hörern Sie hier das Stück Roady vom bisher einzigen Album Based On a True Story.
(Sie benötigen dafür Quicktime, hier zum kostenfreien Herunterladen )