Die einen hauen in die Tasten, die anderen schlagen Gefangene: Der Umstand, dass es da Zusammenhänge geben kann, wird zumindest dem entsetzensfähigen Leser der Welt an diesem Mittwoch bewusst, der auf den Kommentar ihres Chefredakteurs stößt. Die Diskussion über die CIA nimmt dieser zum Anlass, eine "Logik des Ausnahmezustands" abzuarbeiten: "Die unbedingte Rechtstreue Weimars, der Legalismus des Völkerbunds gilt heute als folgenschwerer Irrweg der europäischen Geschichte. Im Rückblick wird an die damalige Politik eine Forderung herangetragen, die man heute bei den Amerikanern kategorisch ablehnt: daß sich eine wehrhafte Demokratie gegen ihre Feinde präventiv zur Wehr setzen muß, um ihre eigene Zerstörung zu verhindern."

Soll das etwa heißen, dass Rechtsordnungen aus Selbstschutz ihre zivilisatorischen Standards unterschreiten dürfen? Nein, sie müssen es sogar, heißt es in dem Blatt – wortwörtlich: ".Rechtsordnungen müssen aus Selbstschutz ihre zivilisatorischen Standards unterschreiten, wenn es der Notfall erfordert. Die Forderung nach einem totalen A-priori-Verzicht auf harte Verhörmethoden mag Ausdruck des reinen Gewissens sein. Sie taugt nicht als Maßstab für eine Realpolitik, die am Ende die eigene Bevölkerung vor Übergriffen schützen muß".

Der Zweck heiligt die Mittel. Das allerdings liest sich nicht so gut, weshalb es im Welt -Kommentar heißt: "Die Macht setzt das Recht". Der nicht genannte Urheber dieses Satzes ist Thomas Hobbes (" auctoritas, non veritas facit legem "), indessen die Struktur der hier ausgebreiteten Gedankenwelt von jemand anderem gelegt wurde, nämlich dem Hobbes-Nachfolger Carl Schmitt ("Der Führer setzt das Recht").

Eine volksnahe Variante präsentiert sodann die Bildzeitung, und zwar in einem Kommentar des ehemaligen FAZ -Herausgebers Hugo Müller-Vogg: "Selbst die Vereinigten Staaten erwarten nicht, daß wir jede einzelne Aktion im Krieg gegen den Terrorismus gutheißen. Aber sie können zu Recht erwarten, daß wir ihnen keine unlauteren Absichten unterstellen." Seien wir großzügig! Sind doch unsere Freunde. Na gut, Gefangene in heißem Wasser: nicht gerade fein. Schwamm drüber - minima non curat praetor .

Solche Töne sind im konservativen Leitmedium der Republik, das sich vor vier Jahren dieses Mannes entledigt hat, erwartungsgemäß nicht zu finden. Es geht ja auch nicht um rechts oder links, sondern um sittenlos oder gesittet. Vielmehr wird in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , fein versteckt in einem Portrait des neuen BND-Chefs, die von der Opposition geforderte Einrichtung eines Untersuchungsausschusss sekundiert: "Die kürzlich abgeschlossene Zeit im Bundeskanzleramt gehört sicherlich zu Uhrlaus interessantesten. Möglicherweise wird der freundlich und umgänglich wirkende Mann noch Gelegenheit bekommen, von Einzelheiten dieser Arbeit zu berichten. Etwa dann, wenn sich herausstellen sollte, daß das Kanzleramt schon frühzeitig Details über die angeblich irrtümliche Entführung eines Deutschen durch den amerikanischen Geheimdienst gewußt hat."

Es wird eng für Steinmeier.