Mit dem Personalchaos beim 1. FC Köln, einem neuen Trainer in Duisburg und dem einsamen Rekord des Herbstmeisters Bayern München hat sich die Fußball-Bundesliga turbulent in die 40- tägige Winterpause verabschiedet. Nach der Misserfolgsserie von zwölf sieglosen Spielen ist dabei die sportliche und personelle Krise beim Aufsteiger aus Köln in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt. Manager Andreas Rettig warf unmittelbar nach der Partie in Bielefeld das Handtuch, Trainer Uwe Rapolder wurde nur einen Tag später beurlaubt. Derweil ist der MSV Duisburg bei der Trainersuche den entscheidenden Schritt weiter als der FC Schalke 04. Jürgen Kohler wurde beim MSV am Sonntag als neuer Chefcoach und Sportdirektor in Personalunion vorgestellt.

Den überragenden Bayern einigermaßen folgen konnten bisher nur der Hamburger SV und Werder Bremen. Doch mit dem 1:1-Unentschieden im 83. Nordderby bescherten die Verfolger den Münchnern am Sonntag auch noch deren Wunschergebnis. "Ich werde mir das Spiel genüsslich anschauen", hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß schon vorher gesagt. Und seine Laune stieg weiter, weil sich der Abstand zum Kronprinzen HSV auf nunmehr sechs Zähler vergrößerte. Die Werder-Führung durch einen herrlichen Freistoß von Johan Micoud (45.+1) glich der eingewechselte Mustafa Kucukovic (67.) mit seinem ersten Bundesligator aus. Ebenfalls 1:1 endete das zweite Sonntag-Spiel in Berlin. Ivan Saenko (55.) ließ den 1. FC Nürnberg lange auf den ersten Sieg bei Hertha BSC seit 1991 hoffen, doch Alexander Madlung (86.) verhinderte den Erfolg von "Club"-Coach Hans Meyer an alter Wirkungsstätte.

Für Kölns Coach Rapolder wurde ausgerechnet die Partie bei seinem ehemaligen Club Arminia Bielefeld zum Schicksalspiel. Nach dem 2:3 erklärte zunächst Rettig noch auf der Tribüne überraschend seinen Rücktritt, ehe Clubchef Wolfgang Overath am Sonntag die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt zog und Rapolder nach nur sechsmonatiger Tätigkeit am Rhein beurlaubte. Damit steht der FC als Tabellen-16. mit zwölf Punkten zum Jahresausklang ohne sportliche Führung da.

Oliver Reck hatte auf Schalke einen verpatzten Start als Interimstrainer. Der Revierklub verpasste nach der 0:2-Niederlage in Stuttgart durch die Treffer von Mario Gomez und Danijel Ljuboja nicht nur den Anschluss an das Spitzentrio, der Revierclub befindet sich auch weiterhin auf der Suche nach einem Coach. "Es gibt keinen Kandidatenkreis und auch keinen Fahrplan", sagte Manager Assauer genervt.

Der MSV Duisburg hingegen hat sich zum Hinrundenausklang mit dem 1:1 beim FSV Mainz 05 ein kleines Erfolgserlebnis verschafft und in Jürgen Kohler seinen Wunschtrainer als Nachfolger für den entlassenen Norbert Meier bekommen. "Für den MSV beginnt ein neuer Zeitabschnitt. Durch die Zusammenarbeit mit Kohler können ungeheure Kräfte freigesetzt werden", sagte Clubchef Walter Hellmich. Kohler ist ebenso zuversichtlich, den Club vor dem Abstieg noch bewahren zu können: "Die Mannschaft lebt."

In ausgelassener Feierstimmung zeigte sich der FC Bayern München nach dem 2:1-Erfolg bei Borussia Dortmund. Mit 14 Siegen in der ersten Halbserie und Saison übergreifend 15 Siegen in Serie hat der Rekordmeister gleich zwei weitere Bestmarken aufgestellt. "Wenn wir jetzt noch unser Pokalspiel am Mittwoch gegen den HSV gewinnen, war es ein perfektes Jahr", befand Manager Uli Hoeneß. Ali Karimi und Claudio Pizarro erzielten die Treffer für die Bayern gegen die "BVB- Bubis", für die Florian Kringe zum 1:2 traf.

Nach 13 Spielen ohne Sieg konnte der 1. FC Kaiserslautern erstmals unter Trainer Wolfgang Wolf ein Erfolgserlebnis feiern. Drei Tore von Halil Altintop bescherten den Pfälzern beim 3:2 über den VfL Wolfsburg eine Woche vor Weihnachten drei wichtige Punkte im Abstiegskampf, der nun auch den Wolfsburgern droht. Acht sieglose Spiele in Serie könnten auch Holger Fach unter Druck setzen. "Ich mache meine Arbeit, alles andere liegt nicht in meiner Macht", sagte der Trainer.

Eine völlig verrückte Partie erlebten die knapp 50 000 Fans in Mönchengladbach, wo die Frankfurter Eintracht 75 Minuten lang nach zwei Treffern von Francisco Copado wie der sichere Sieger aussah. Dem Anschlusstreffer von Marcell Jansen ließ Oliver Neuville nach vergebenem Elfmeter zwei weitere Tore folgen, Vaclav Sverkos erhöhte gar auf 4:2, ehe Chris noch das 3:4 gelang. "Ich war in der Halbzeit richtig sauer und bin auch erstmals, seit ich hier als Trainer arbeite, richtig laut geworden", sagte Borussen-Coach Horst Köppel nach der gelungenen Hinserie mit 25 Punkten.

Völlig enttäuschend beendete dagegen der einstige Spitzenclub Bayer Leverkusen die Halbserie. Nach dem 0:0 gegen Hannover 96 ist das Team von Trainer Michael Skibbe weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Wenn man den negativen Lauf stoppen will, muss das Anspruchsdenken auf ein realistisches Maß gesenkt werden", meinte der Bayer-Coach.