Missy Elliott wird oft mit dem frühen Prince verglichen. Sei es, weil ihr Musikentwurf so eigensinnig und funky ist. Oder auch, weil ihre Musik diese knisternde Sinnlichkeit besitzt. Oder auch, weil ihr bislang nicht das absolute Meisterwerk von einer Platte geglückt ist. Oft greift sie in den Schmalz auf der Suche nach der sicheren Nummer. Und so ist denn auch bei The Cookbook einiges an mittelmässigem Soul zu ertragen. Dann jedoch folgt eine Irrsinnsnummer wie Lose Control. Auch das erinnert an Prince, der in seiner besten Zeit ein Hybrid aus Innovation und Schwulst erschaffen hat.

Immerhin ist Missy Elliott immer wieder für eine Erweiterung des Pophorizonts gut und von wem, der Millionen Platten verkauft, kann man das heute schon behaupten? Missy Elliott ist bekannt für ihre originellen Musikvideos. Die Singleauskoppelungen von Cookbook sind jedoch eine Enttäuschung. Kunst verkommt zu Productplacement, wenn alle im Film in Missys eigener Modelinie tanzen und mit IPods und Mobiltelefonen wedeln. Zum Abgewöhnen fürwahr.

Ganz anders verhält es sich mit Kevin Blechdom. Die Amerikanerin und Wahl-Berlinerin taugt nicht zum Werbegeschäft. Auf der Plattenhülle von Eat My Heart Out posiert sie blutverschmiert mit Innereien. Sie steht Missy Elliott in puncto Musikalität in nichts nach, verweigert aber clubtaugliche Produktionsweisen. Das neue Album basiert fast ausschließlich auf General MIDI. Das ist ein stark komprimiertes Musikformat, in dem die einzelnen Instrumente sich klanglich immer ähnlicher werden, bis sie unfassbar dödelig klingen. Ästhetisch fischt Blechdom in den trüben Gewässern der Musikgeschichte. So finden sich etliche Anleihen an Progressive-Rock und Musical.

Mit Laptop und Banjo gelingt ihr eine uramerikanische Musikrevue, die einmal mehr belegt, dass Elektronische Musik mitnichten ein Genre ist, sondern eine Herangehensweise. Gemeinsamkeiten mit zeitgenössischer Tanzmusik à la Tiefschwarz, Modeselektor oder Aphex Twin sind hier nicht zu hören.

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