Der Fall Mannesmann muss neu verhandelt werden. Das Düsseldorfer Landgericht hat zu prüfen,  ob die Zahlung von Prämien und Abfindungen von insgesamt 57 Millionen Euro ein Fall von Untreue war. So urteilte der Bundesgerichtshof am Mittwoch. Für was steht nun das Urteil?
Illustration: Rita Kohel für ZEIT online

Dafür, dass in Deutschland die Verstaatlichung der Wirtschaft weiter vorangetrieben werde, schreibt die Neue Züricher Zeitung : "Im heutigen Deutschland sind es eher Staat und Justiz, die das Unternehmensinteresse definieren."

Und die Welt führt aus: "Erstens: In Deutschland müssen Manager, die aufgrund ihrer Leistung mit dem Einverständnis ihrer Firmeneigentümer Sonderprämien erhalten, strafrechtliche Verfolgung fürchten. Zweitens: In Deutschland dürfen die Richter darüber entscheiden, worin das wahre Interesse privatwirtschaftlich tätiger Unternehmen liegt. Drittens: Der deutsche Staat verfügt über ein Arsenal an juristisch dehnbaren Kampfbegriffen, mit denen er weit in den betrieblichen Alltag eindringen darf. Die wertschöpfende Klasse wird behördlicher Willkür ausgeliefert zum Nachteil des Standorts."

Was für eine Verkennung der Realität. Es geht im Urteil ja gar nicht darum, ob Manager für gute Arbeit gutes Geld bekommen dürfen. Sondern darum, ob sie Gesetze achten und sich daran erinnern, dass nicht Vorstände und Aufsichtsräte, sondern Aktionäre die Eigentümer sind. Die nach ihrer Meinung zu fragen jedem Vorstand freisteht, beispielsweise während der Hauptversammlung.

Ausgerechnet in Rechtssicherheit und einer unabhängigen Justiz einen Nachteil für den Standort Deutschland zu sehen, zeugt schließlich von einem merkwürdigen Verständnis dessen, wie freier Wettbewerb funktioniert. Marktliberale sollten das wissen.

Es will auch niemand Unternehmen einer verschärften staatlichen Aufsicht unterwerfen. Verlangt wird nur, dass Vorstände und Aufsichtsräte im Interesse des Unternehmens handeln. "Eine Prämie aber, für die es keine vertragliche Grundlage gibt und die zu einem Zeitpunkt gewährt wird, zu dem bereits feststeht, dass der Empfänger sehr bald aus dem Unternehmen ausscheidet - eine solche Prämie liegt auf gar keinen Fall im Interesse des Unternehmens, und zwar weitgehend unabhängig von ihrer Höhe", schreibt die Süddeutsche Zeitung