Offiziell sind in der Türkei derzeit 16 Menschen mit dem Vogelgrippevirus H5N1 infiziert; glücklicherweise gab es keine weiteren Todesfälle, seitdem in der ersten Januarwoche zwei Kinder verstorben waren. Am Dienstag meldeten die türkischen Behörden jedoch eine neue H5N1-Infektion bei einem Menschen. Die Tierseuche breitet sich derweilen auch unter Vögeln weiter aus. An der westtürkischen Ägäisküste sind seit Dienstag neue Fälle von H5N1-infiziertem Geflügel bekannt. Das H5N1-Virus ist im Urlaubsort Kursadasi bei toten Tauben und Hühnern festgestellt worden.

In Kursadasi hat sich ein dreijähriger Junge angesteckt und liegt nun mit Verdacht auf eine Infektion im Krankenhaus. Er spielte in einem Viertel der Stadt mit einem kranken Huhn. Drei weitere Verdachtsfälle stammen aus der südwestlichen Provinzhauptstadt Aydin: eine Mutter und ihr zweijähriger Sohn sowie ein 15-jähriger Junge. Die Proben dieser vier Patienten werden derzeit in einem Labor in Istanbul untersucht. Die Ergebnisse sollen am Freitag vorliegen. Wie der Nachrichtensender CNN-Türk am Dienstag berichtete, hätten Labortests die mehr als 20 mutmaßlichen Verdachtsfälle im europäischen Teil Istanbuls nicht bestätigt.

In der Türkei waren in der vergangenen Woche ein 15-jähriges Mädchen und ihr jüngerer Bruder an der Tierseuche gestorben. 14 der von den türkischen Behörden genannten Fälle gelten nach den derzeit jüngsten Informationen der WHO vom Montag als sicher, obwohl abschließende Tests des britischen Referenzlabors zumeist ausstehen. Die H5N1 infizierte Frau Es handelt es sich um eine Frau aus der anatolischen Stadt Sivas, die tote Hühner mit der Hand entsorgt hatte. Das Testergebnis aus Ankara ist vorläufig und muss von der WHO erst noch bestätigt werden. Am Montag waren fünf neue Erkrankungen bestätigt worden. Bei den Patienten handelt es sich um zwei Brüder im Alter von vier und fünf Jahren, einen Zwölfjährigen und einen weiteren Fünfjährigen aus dem Schwarzmeergebiet nordöstlich der Hauptstadt Ankara. Außerdem hat sich ein 18-Jähriger aus der osttürkischen Stadt Van infiziert, wo in der vergangenen Woche bereits die Geschwister aus Dogubeyazit gestorben waren.

Bei ihnen hatten Labortests vergangene Woche den gefährlichen Vogelgrippeerreger H5N1 erstmals auch außerhalb Südostasiens als Todesursache bestätigt. Dort sind in den vergangenen zwei Jahren 142 Menschen an der Geflügelseuche erkrankt und mehr als die Hälfte von ihnen auch gestorben. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge gibt es aber auch in der Türkei keine Hinweise darauf, dass sich der Erreger von Mensch zu Mensch übertrage. "Glücklicherweise bleibt es bis jetzt ein Tiervirus, das sich leicht von Huhn zu Huhn überträgt", sagte der Leiter des WHO- Influenzaprogramms, Klaus Stöhr, am Montag im Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Die Vogelgrippe war zum ersten Mal im Oktober vergangenen Jahres im östlichen Teil der Türkei aufgetreten. In der Zwischenzeit hat sich der Erreger H5N1 unter türkischen Hühnern und Puten jedoch weiter ausgebreitet und sogar den europäischen Teil des Landes erreicht: Istanbul meldete am Montag die ersten infizierten Federviecher. Die Vogelgrippeausbrüche seien in der Türkei "so massiv und so weit verbreitet, dass das Virus schon lange im Land sein muss, nämlich wahrscheinlich Wochen bis Monate", kritisierte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Reinhard Kurth, am Dienstag die türkische Informationspolitik im ARD-Morgenmagazin . Die türkischen Gesundheitsbehörden versuchen weiter die Seuche mit Massentötungen von Vögeln einzudämmen. Landesweit sind bis Dienstag abend 110.000 Tiere gekeult worden, 3.000 davon in Istanbul.

Angesichts der beunruhigenden Situation in der Türkei beginnt auch Deutschland erneut mit der Vorsorge: Die WHO forderte am Mittwoch die Veranstalter der Grünen Woche auf, die Aussteller aus der Türkei und ihren Anrainerstaaten gesondert zu kontrollieren. Auf der so genannten Grünen Woche in Berlin wird ab Freitag in zwei Hallen Geflügel gezeigt. "Die Gefahr ist ungleich größer, weil ein europäisches Land in einem Maße verseucht ist, wie man es vorher nicht erwartet hat", sagte der Leiter des WHO-Influenza-Programms, Klaus Stöhr, am Mittwoch dem Regionalradio Berlin-Brandenburg. Der Experte rechnet damit, dass die Tierseuche in der Türkei erst in einigen Monaten in den Griff zu bekommen sein wird. In Asien würde es drei bis fünf Jahre dauern.