In der Januarausgabe wirft die Musikzeitschrift Spex   einen Blick nach vorne und einen Blick zurück. Das Debütalbum der kanadischen Band The Arcade Fire  haben die Redakteure zur Platte des Jahres gewählt. Maximo Park und Art Brut folgen. In der Liste der 50 wichtigsten Platten des Jahres finden sich die üblichen Verdächtigen, aber auch einige Überraschungen. Bloc Party (Platz 4)  sind mit von der Partie, Antony & the Johnsons (Platz 6) und CocoRosie  (Platz 14). Auf Platz 21 hat es der verspielte, elektronische Mädchenpop der Norwegerin Annie   geschafft. Stücke über Kaugummi, Herzklopfen und die Liebe zwischen zwei Takten stecken das Textfeld der skandinavischen Popprinzessin ab. Immerhin noch auf Platz 46: die Französin Camille , die auf ihrem Album Le Fil eine stimmgewaltige Reise voller Aus- und Abschweifungen inszeniert.

Für die Spex -Leser ist das Album A Certain Trigger der englischen Band Maximo Park der wichtigste Popmoment des vergangenen Jahres. Die weiteren Platzierungen decken sich beinahe mit denen der Redakteure. Arcade Fire (Platz zwei) tauchen auf, Bloc Party (Platz drei) sind mit von der Partie, und Art Brut belegen Platz sieben.

Nach dem obligatorischen Jahresrückblick wagt die Kölner Musikzeitschrift einen Blick nach vorne. Zwei Bands, das sei an dieser Stelle einfach mal vorhergesagt, werden sich im kommenden Jahr in den Rückblicksartikeln finden: die Arctic Monkeys  und Clap Your Hands Say Yeah .
In der Spex zieren sie zusammen mit Tomte  und der wunderbaren Chan Marshall alias Cat Power das Titelbild.

Sowohl Clap Your Hands Say Yeah als auch die Arctic Monkeys entwickelten sich durchs Internet zum Geheimtipp. Die Amerikaner Clap Your Hands haben über ihre Webseite an die 20.000 CDs verkauft, noch bevor sie überhaupt eine Plattenfirma hatten. Ende Januar erscheint ihr Debütalbum in Deutschland. Die Tour folgt im Februar. Spex -Autor Christian Lehner entdeckt in den Stücken der Band aus Brooklyn melancholische Texte und "Hinterhofkargheit", die im Kontrast stünden zur Musik. "Wenn es so etwas wie eine Idee davon gibt, was diese Band bewerkstelligen kann, dann ist es ihre Fähigkeit, diesen Widersprüchen eine Stimme zu verleihen", sagt Sänger Alec Ounsworth im Gespräch.

Ganz ähnlich wie Clap Your Hands Say Yeah haben sich die vier Jungspunde der Arctic Monkeys ins popkulturelle Bewusstsein katapultiert. Ihr Name wurde zunächst von Ohr zu Ohr geraunt, tauchte in diversen Weblogs auf und fand darauf den Weg in die größeren Medien. Der New Musical Express preist seit Wochen das Erstlingswerk an, das Ende dieses Monat erscheint. Andere Musikzeitschriften haben sich bereits angeschlossen und selbst Die Welt wagt die Prognose, dass das Debüt der vier 19-Jährigen zu den Höhepunkten des Kulturjahres 2006 zählen wird.

Noch gänzlich unbekannt sind die 20 Bands und Projekte, welche die französische Musikzeitschrift Les Inrockuptibles in der aktuellen Ausgabe vorstellt. "CQFD – Ceux qu’il faut découvrir" – Die, die es zu entdecken gilt – lautet das Motto. Immer zum Jahresende hört sich die Redaktion durch zahllose musikalische Einsendungen und wählt ein Projekt aus, das am Ende mit einem Plattenvertrag belohnt wird. Nein, hier handelt es sich nicht um "Frankreich sucht den Superstar", sondern um ein ernstgemeintes Nachwuchsförderprogramm. Vor vier Jahren entschied Syd Matters   mit seinen melancholischen Songs die erste Auflage für sich. Am 18. Januar fällt in diesem Jahr die Entscheidung. Leser und Hörer dürfen online den Sieger küren.