Der Hessische CDU-Innenminister Volker Bouffier hat ankündigt, auch in Hessen einen umfassenden Test für einbürgerungswillige Ausländer einzuführen. Unter dem Motto „Wissen und Werte“ solle künftig jeder belegen, dass er sich mit Deutschland und seinen Grundwerten auseinander gesetzt hat. Wie der Test aussehen soll, ist unklar. "Wir schließen nicht aus, dass es ein Fragebogen wird", sagt der Pressesprecher des Innenministeriums, Michael Bußer. Auch ein Gespräch oder ein Leitfaden sei denkbar. "Vielleicht legen wir auch eine Fibel aus." Der Test soll in jedem Fall der Orientierung dienen - und in gut einem Monat vorgestellt werden.

Bouffier wird für seinen Vorstoß scharf kritisiert. Von Grünen, der Links-Partei, SPD-Mitgliedern und aus der eigenen Partei. „"Den Fragebogen brauchen wir nicht"“, sagt Armin Laschet, Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen und CDU-Mitglied, ZEIT online. „Wir sollten Zuwanderer lieber Willkommen heißen.“ Er empfiehlt Einbürgerungsfeiern in Deutschland. Den Neubürgern sollte bewusst gemacht werden, was es bedeutet, den deutschen Pass angenommen zu haben. Im positiven Sinne. Die Deutschen dürften dazu ruhig Freude zeigen. Man verhalte sich so, als hätte Deutschland ein Problem mit zuviel Einbürgerungen. Doch das Gegenteil ist seiner Meinung nach der Fall: "Wir müssten vielmehr zur Einbürgerung ermutigen", sagt Laschet. Die Probleme entstünden eher durch Parallelgesellschaften und die Nicht-Einbürgerungen von Zuwanderern.

Laschet fordert eine andere Debatte in Deutschland, mit dem Ziel einer „gemeinsamen Leitkultur“. Die Deutschen dürften nicht alleine entscheiden, was angemessen sei. Auch die Zugewanderten sollten beitragen: "zur Wertebildung und zu einem Konsens". Das Grundgesetz bilde dafür die Rechtsordnung: jüdisch-christlich und von der Aufklärung geprägt. Es sei unsinn, zu vermuten, die Muslime hätten "besondere Probleme mit dem Grundgesetz", sagt Laschet. Das deutsche Grundgesetz stünde im "im Wertekonsens mit der europäischen Verfassung"; an eben dieser habe auch die Türkei mitgewirkt. „

Der nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Kufen plädiert darüber hinaus dafür, dass die Regierung von Baden-Württemberg "die Verletzungen ernst nehme", die sie den Muslimen bereits zugefügt habe: "Sie muss sich entschuldigen." Integration sei "ein Prozess des Aushandelns auf einer an Werte gebundenen Grundlage", sagt Kufen, der sich an der Basis mit Integrationsarbeit beschäftigt. Menschenrechte und Grundgesetz dürften allerdings nicht verhandelbar sein. Die "schweren Gesellschaftsprobleme" mit denen sich der Test unter anderem beschäftige, seien "nicht mit einem solchen Fragenkatalog zu lösen". Auf diese Problemen könne man einzig mit Bildung für Zuwanderer reagieren. Wenn die Einwände gegen ein Problem wie Zwangsheirat von den Leuten selbst kämen, "dann ist das am Glaubwürdigsten".

Den Test selbst findet Integrations-Minister Laschet fragwürdig: Ihm sei weder die Zielgruppe klar, noch was die Fragen bezwecken sollen: Der Test, so wie er ursprünglich konzipiert war, richtet sich nur an Bürger der 57 Staaten, die Mitglieder der islamischen Konferenz sind. Sollte der Test nun tatsächlich Islamisten herausfiltern können, würde ein tschetschenischer Fundamentalist nicht mal erfasst werden, weil sein Land nicht Mitglied der islamischen Konferenz ist.

Auch die meisten Fragen seien ungeeignet. Zu offensichtlich sei zum Beispiel die Frage, ob die Todespiloten vom 11. September Terroristen oder Freiheitskämpfer seien. Und andere Fragen, so Laschet, gingen den Staat nichts an. Die Frage zu Homosexualität zum Beispiel. Ob Männer Frauen als Chef akzeptieren, ist nicht allein eine Frage an Muslime, selbst der Bundeskanzler hat es am Wahlabend erkennbar schwer gehabt damit, dass eine Frau ihn geschlagen hat.