Das New Yorker Muskelpaket Curtis Jackson, besser bekannt als 50 Cent, ist zurzeit der größte HipHop-Star. Seine genuschelten Geschichten aus der Welt urbaner Kriminalität, sein zuhälterisches Frauenverständnis und sein Gespür für mitreißende Refrains lassen weltweit die Köpfe der Jugend im Takt nicken — dazu schütteln sich, meist etwas schneller, die Köpfe der erschütterten Eltern.

Ein Phänomen der Jugendkultur, dieser Mann, dessen Biografie die nötige Authentizität vermittelt: So kommt er tatsächlich aus einem Gangster-Milieu, und dass er einst von neun Schüssen niedergestreckt wurde, ohne nachhaltig Schaden zu nehmen, verleiht ihm die Aura des Mythischen und des Spielzeughelden. In ihm spiegelt sich die Ambivalenz der gesamten HipHop-Kultur: Als Popstar taugt er zum Vorbild und ist zugleich ein Mahnmal, denn niemand würde so recht mit ihm tauschen wollen.

Seine Karriere wird nun mit den Mitteln des Marketings weiter vorangetrieben. Also musste ein Film her, in dem er nur sich selbst zu spielen braucht; Elvis, Prince und jüngst Eminem haben es vorgemacht. Mit dabei: Die Plattenfirmen Interscope, Shady und Aftermath, die Filmproduktion Paramount Pictures sowie MTV Films, Unterabteilung des gleichnamigen Musiksenders. Paramount und MTV gehören dem Viacom-Konzern. Somit wäre schon mal klar, woher das Geld kommt, wohin es geht und welche Flughöhe das Ganze hat.

Die Geschichte des Films ist semi-biografisch angelegt, die berühmten neun Schüsse fallen gleich zu Anfang. Get Rich Or Die Tryin’ ist eine typische und deswegen nicht weniger schockierende Geschichte aus Amerikas schwarzer Unterschicht. Zerrüttete Familienverhältnisse, Armut, Drogenhandel, Gewalt und Materialismus bestimmen den Alltag; 50 Cents filmisches Alter Ego befindet sich mittendrin. Die Handlung beginnt Mitte der Achtziger in der Crack-Ära, in der Drogenhändler zu bis dahin ungekanntem Wohlstand kamen und ihre Kunden in ebenso ungekannte Abgründe stürzten.

Leider ist 50 Cent als Schauspieler nicht halb so talentiert wie als Rapper. Auf Zelluloid kann viel geschummelt werden, aber der ratlos bis verlegen wirkende Gleichmut des Protagonisten lässt sich auch mit kurzen Dialogen und schnellen Schnitten nicht verstecken. Obwohl er nur sich selbst zu spielen hat, wirkt 50 Cent in seinem regungslosen Mimenspiel über weite Strecken wie ferngesteuert.

Von diesem Film war das Schlimmste zu erwarten gewesen. So konnte man sich im vorab veröffentlichten Computerspiel durch verschiedene Filmszenen ballern, und 50 Cent posierte in den Ankündigungsfotos nur selten ohne seine 45er-Kaliber-Pistole. Deshalb ist es wohl vor allem Regisseur Jim Sheridan zu verdanken, dass der Film in puncto Realismus doch große Stärken aufweist; bisweilen ist er sogar sehr düster in seiner Schlichtheit. Nichts wirkt poliert und verschönert, nichts wird glorifiziert oder gar verurteilt. Es gibt keine Reue, keine Werte und letztlich nicht einmal Freude, als der große amerikanische Traum in Erfüllung geht und der geläuterte Ex-Drogenhändler auf der Bühne als Rapstar gefeiert wird.

Dieser Film ist zu kalt, um als Promo-Schmonzette im Kuriositätenkabinett zu landen, hat aber auch einen viel zu hölzernen Star, um richtig gut zu sein. Get Rich Or Die Tryin’ wird natürlich viel mit Eminems 8 Mile verglichen, den man mit angestachelter Euphorie für den HipHop verlassen hat und der die Magie dieser Kultur zu vermitteln wusste. 50 Cents Pendant hingegen hinterlässt ein Gefühl von Traurigkeit und Leere. Vielleicht hilft es, unter der emotionslosen und fatalistischen Gewalt seiner Musik diese tiefe Traurigkeit zu entdecken, die man früher den Blues genannt hat.

GET RICH OR DIE TRYIN', USA 2005

Regie: Jim Sheridan. Buch: Terence Winter. Kamera: Declan Quinn. Schnitt: Conrad Buff, Roger Barton. Musik: Quincy Jones, Gavin Friday, Maurice Seezer. Mit: Curtis "50 Cent" Jackson, Terrence Howard, Joy Bryant, Bill Duke, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Omar Benson Miller, Tory Kittles, Ashley Walters, Marc John Jefferies, Viola Davis, Sullivan Walker, Serena Reeder. UIP, 134 Minuten.