In Peking hat am Dienstag die Internationale Geberkonferenz zum Kampf gegen die Vogelgrippe begonnen. Teilnehmer aus rund 90 Staaten und mehr als 20 internationalen Organisationen wollen den von der Seuche betroffenen Ländern helfen, die Ausbreitung des Virus H5N1 bei Mensch und Tier einzudämmen. Dazu werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 1,1 Milliarden Euro benötigt. Weitere 500 Millionen US-Dollar werden für die Erforschung von Impfstoffen gebraucht. Die Weltbank hatte bereits im Dezember 500 Millionen US-Dollar zugesagt, die Europäische Union will diesen Betrag zusätzlich um 80 Millionen Euro aufstocken.

Am Wochenende hatte die Vogelgrippe in der Türkei ein viertes Todesopfer gefordert: Das kleine Mädchen war nach einem ersten negativen Befund doch positiv auf den H5N1-Erreger getestet worden, berichtete am Montag die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Türkei steigt die Zahl der menschlichen Vogelgrippe-Infektionen damit auf 20. Das verstorbene Mädchen und ihr ebenfalls infizierter jüngerer Bruder stammen aus Dogubeyazit in der Osttürkei. Aus dem selben Ort stammten auch alle übrigen Todesfälle: Drei Geschwisterkinder aus Dogubeyazit waren bereits in der ersten Januarwoche an der Vogelgrippe gestorben.

Unterdessen gibt es auch in Südostasien weitere Infizierte und Todesfälle: In Indonesien starb am Wochenende ein Mädchen, abschließende Tests auf das Vogelgrippevirus H5N1 stehen allerdings noch aus. Die 13-Jährige wäre das 13. Vogelgrippeopfer in dem kleinen Staat seit 2005. Bereits am vergangenen Mittwoch war eine Krankenschwester aus Jakarta nachweislich an der Vogelgrippe gestorben. Weltweit geht die WHO nun von 150 bestätigten menschlichen Vogelgrippe-Infektionen innerhalb von drei Jahren aus.

Die vier toten Kinder aus der Türkei sind die ersten menschlichen Todesopfer der Vogelgrippe außerhalb von Südostasien. Die Geflügelseuche grassiert seit 2003 vor allem in Vietnam, Thailand, Indonesien und China und breitet sich von dort immer weiter aus. Mehrere Millionen Stück Geflügel hat die Vogelgrippe dort bereits getötet. Vietnam hat mit bisher 42 Verstorbenen die meisten menschlichen Opfer zu beklagen.

In Westeuropa ist bisher kein einziger Fall von Vogelgrippe bei Menschen nachgewiesen worden. Verdachtsfälle in Brüssel, Wien und Köln hatten am Wochenende für Aufregung gesorgt. Es handelte sich um Reisende, die mit Grippesymptomen aus der Türkei zurückgekehrt waren, doch in keinem der Fälle wurde das Virus H5N1 gefunden. Experten warnen erneut vor einer Hysterie: Für übertriebene Angst gebe es keinen Grund, sagt der Virologe Christian Drosten vom Bernhard-Nocht Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Bisher wird die Vogelgrippe nach wie vor nur unmittelbar von kranken Tieren auf Menschen übertragen. Sowohl die türkischen Kinder, als auch die Frauen aus Indonesien hatten vor ihrer Erkrankung nachweislich sehr engen Kontakt zu infiziertem Geflügel. Fachleute befürchten jedoch, dass sich H5N1 mit anderen Grippe-Viren mischt oder sich durch eine Mutation so verändert, dass ein neuer Virus-Typ entsteht - der sich dann auch von Mensch zu Mensch überträgt. Ein Speziallabor in London hatte im Erbgut von Viren aus der Türkei vergangene Woche eine Mutation nachgewiesen, die es dem Virus vermutlich erleichtert, menschliche Zellen zu infizieren. Diese genetische Veränderung scheint jedoch nicht neu zu sein: Sie war bereits beobachtet worden, als sich 2003 in Hong Kong und 2005 in Vietnam mehrere Menschen infizierten.

Um eine weitere Verbreitung der Vogelgrippe in der Türkei zu verhindern, hat das Agrarministerium in Ankara am Montag ein landesweites Transportverbot für Geflügel verhängt. Zudem wurde für die Osttürkei das Jagdverbot für Wildvögel wieder in Kraft gesetzt. Seit Ende Dezember war die Vogelgrippe in 13 der 81 Provinzen nachgewiesen worden. Seither wurden mehr als 931 000 Hühner, Enten und anderes Geflügel vorsorglich gekeult um die Ausbreitung der Tierseuche zu begrenzen.