Japan soll sein Walfangprogramm stoppen und nicht länger internationale Anstrengungen zum Schutz der Meeressäuger untergraben. Das fordern am Mittwoch 17 Länder in einer Petition an die japanische Regierung, darunter auch Deutschland. In dem diplomatischen Vorstoß heißt es, es werde "zutiefst bedauert", dass in den letzten 18 Jahren mehr als 6800 Zwergwale in arktischen Gewässern erlegt worden sein.

Trotz andauernder internationaler Proteste und wiederholter Ermahnungen durch die Internationale Walfangkomission (IWC) missachtet Japan das seit 1986 geltende Fangverbot für Wale. Dabei berufen sich die Japaner auf eine Lücke in dem Abkommen, das Wahlfang aus wissenschaftlichen Gründen weiterhin erlaubt. Im letzten Sommer war Japan mit dem Wunsch das Fangverbot zu lockern bereits an der Wahlfangkommission gescheitert.

Japan will bis April 935 Zwergwale im Südpolarmeer erlegen, angeblich zu Forschungszwecken. Das sind doppelt so viele wie in der letzten Saison. Auch die bedrohten Finn- und Buckelwale stehen auf der Abschussliste. Dabei wurde 1994 das Südpolarmeer von der IWC zum Schutzgebiet erklärt, um die Erholung der Walbestände unter dem Ausschluss der direkten Jagd beobachten zu können.

Bereits seit Mitte Dezember versucht die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Südpolarmeer die japanische Flotte daran zu hindern, unter dem Deckmantel der Wissenschaft in dem antarktischen Schutzgebiet zu wildern. Dabei kam es zu einer Kollision zwischen dem japanischen Fabrikschiff "Nisshin Maru" und dem Greenpeace- Schiff "Arctis Sunrise".

Obwohl es keinen erkennbaren wissenschaftlichen Anlass gibt, untersuchen die japanischen Wissenschaftler Nahrungssuche und Migrationsmuster der Meeressäuger unter tatkräftigem Einsatz von Harpunen und Granaten. Das Fleisch der Zwergwale wird noch auf See für den japanischen Markt verarbeitet, kritisiert die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Ein Drittel der Fangflotte, die aus sechs Schiffen besteht, gehört dem japanischen Fischereikonzern Nissui.

In dieser Saison testet Japan im Schutzgebiet der Antarktis sein neues, fadenscheiniges Wal-Forschungsprogramm (JAPRAII), das 2006/2007 beginnen soll. Dazu soll die Fangquote willkürlich verdoppelt werden, um die Konkurrenz zwischen Bartenwalen zu erforschen, deren gemeinsame Nahrungsgrundlage das antarktische Krill ist. Jedoch wurde bisher noch nie ein Wettbewerb zwischen den Arten beobachtet. Eine durch den Umweltminister Neusselands, Chris Carter, veröffentlichte Studie zeigt außerdem, dass Fragen zu Veränderungen der Wal-Bestände am besten über Biopsie, das heißt über die Entnahme kleiner Gewebeproben, zu klären seien. Für dieses Verfahren müssen die Tiere nicht getötet werden.

Neben Japan ignoriert auch Norwegen das Fangverbot – allerdings nicht für die Forschung, sondern offiziell zu kommerziellen Zwecken. Norwegen hält die Jagd auf Zwergwale für nötig, um eine zu starke Vermehrung der Tiere zu verhindern. Die Regierung in Oslo legt jedes Jahr Fangquoten fest, die allerdings häufig unterschritten werden. 2006 dürfen demnach 1052 Zwergwale getötet werden - 256 mehr als im vorherigen Jahr. Das Parlament habe die Regierung dazu gedrängt, die Walfangquote zu erhöhen, sagte Fischereiministerin Helga Pedersen. Die neue Zahl setze sich aus der jährlichen Quote von 745 Tieren und dem Fangdefizit von 307 Zwergwalen der vergangenen zwei Jahre zusammen.