Bescheidenheit war seine Sache nicht. Er wollte den größten Internet-Konzern der Welt schaffen und glaubte, gerade als Außenseiter im konformistischen Japan eine Chance zu haben. „Mir ist es recht, wenn die Leute sagen, ich sei ein komischer Typ, denn dann kommt keiner auf die Idee, mir die Dinge nachzumachen“, war eine seiner Redensarten. Damit kam er weit und wurde schließlich leichtsinnig. Heute sitzt Japans erfolgreichster Internet-Unternehmer der vergangenen Jahre hinter Schloss und Riegel.

Takafumi Horie, der 33 Jahre junge Chef des drittgrößten japanischen Internetportals Livedoor, den die Medien gerne als Japans Bill Gates bezeichneten, wurde in der Nacht zum Dienstag von der Tokioter Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Börsengesetz verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, im Herbst 2004 den Erwerb eines Buchverlages per Aktientausch verkündet zu haben, als sich dieser Verlag bereits durch die Beteiligung einer Tochter im eigenen Firmenbesitz befand. So seien Investoren in die Irre geführt worden, die aufgrund der Livedoor-Ankündigung die Aktien des Verlages kauften. Auch nahm die Staatsanwaltschaft zwei weitere Livedoor-Manager fest, die nach inoffiziellen Angaben der Polizei bereits am Dienstag die illegalen Vorgänge in der Firma einräumten. Horie solle dafür persönlich Verantwortung tragen.

Japans derzeit bekanntester Unternehmer ist tief gefallen. Horie gründete seine Firma 1996 mit einem Startkapital von 50.000 Dollar, führte sie mit einem Aktienwert von 400 Millionen Dollar im Jahr 2000 an der Börse ein und steigerte ihren Kapitalwert bis vergangene Woche auf über 5 Milliarden Euro. Damit war Livedoor mehr wert als der Autokonzern Mazda oder die führende japanische Eisenbahngesellschaft. Doch befindet sich der Wert der Firma seit dem ersten Eingreifen der Staatsanwaltschaft vor einer Woche in freiem Fall. Bis zu Wochenbeginn sank der Kapitalwert auf nur noch 1,6 Milliarden Euro.

Horie selbst bestreitet bislang alle Verwürfe. Doch entschied seine Firma am Dienstag, ihren Gründer und bisherigen CEO aller Ämter zu entheben. Auch Premierminister Junichiro Koizumi, für den Horie noch im Sommer bei den Parlamentswahlen kandidiert hatte, distanzierte sich von ihm. „Auch im neuen Zeitalter gelten die Gesetze“, sagte Koizumi in Anspielung auf Horie.