Israel hat in den letzten Monaten gespannt verfolgt, wie die internationale Gemeinschaft reagiert auf die Erklärungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad. Da es nicht im israelischen Interesse liegt, sich auf einen Zweikampf einzulassen, zielte die Politik stets darauf ab, Teheran durch internationalen Druck auf dem Weg zur Atommacht zu stoppen. Ahmadineschads Drohungen gegen den jüdischen Staat haben neben den Vereinigten Staaten auch die Europäer aufgerüttelt, was in Israel hoffnungsvoll wahrgenommen wurde.

Inzwischen jedoch ist der Ton im Atomkonflikt schärfer geworden. Für den Fall, dass sich Iran nicht an seinem Vorhaben hindern lasse, droht Verteidigungsminister Shaul Mofas mit einem Militärschlag: Sollte Iran über die „nukleare Option“ verfügen, müsse Israel eine Verteidigungsstrategie entwickeln "mit allem, was das bedeutet", sagte er am Samstag. Auch Regierungschef Ehud Olmert hatte erklärt, es sei nicht hinnehmbar, dass Länder wie Iran, die Israel feindlich gesonnen seien, über Massenvernichtungswaffen verfügten. Nicht alle in Israel halten derlei Aufsehen erregende Äußerungen für klug. In einer so heiklen Angelegenheit sei besser Diskretion angesagt, öffentliche Drohungen führten zu nichts, kritisierte etwa der ehemalige Verteidigungsminister Moshe Arens seinen Parteikollegen Mofas. Was nicht heißt, dass er untätig zusehen will, wie Iran aufrüstet.

Über die richtige Strategie im Umgang mit Teheran debattierten am Sonntag auch israelische und europäische Experten auf der jährlichen Herzliya-Konferenz. Dabei waren sich alle einig, dass gegen Iran Wirtschaftssanktionen verhängt werden müssten. Über die Wirksamkeit von Maßnahmen, die darüber hinausgehen, gingen die Meinungen weit auseinander. Auf der einen Seite die Europäer, die allein diplomatische Mittel befürworten und argumentieren, dass ein Militärschlag nicht wirklich effektiv wäre – auf der anderen die Israelis, die sich viel direkter bedroht sehen und deshalb auch über andere Maßnahmen nachdenken.

Sir Michael Quinlan vom International Institute for Strategic Studies in London brachte die unterschiedlichen Ansätze auf den Punkt: Er sprach sich gegen eine „militärische Option“ aus und hielt die Vorstellung, dass Iran eine Atombombe gegen Israel einsetzte für „absurd“. Allerdings, so fügte er hinzu, könne er das aus seiner sicheren Warte in Großbritannien gut sagen.

Isaac Ben-Israel von der Tel Aviv Universität warnte hingegen, dass „die Geschichte uns davon abhält, Menschen zu ignorieren, die öffentlich ankündigen, was sie uns antun wollen“. Sollte Israel das iranische Atomprogramm durch einen Luftangriff stoppen, wäre seiner Ansicht nach der Preis sehr hoch: dazu gehörten Terroranschläge der Hisbollah und anderer pro-iranischer Gruppierungen. Aber am Ende müssten die Risiken gegeneinander abgewogen werden. Andere fürchten daher auch, dass ein israelischer Militärschlag gegen Iran die gesamte Region in den Krieg ziehen könnte. Der Abgeordnete der Arbeitspartei, Ephraim Sneh, zöge deshalb einen „amerikanischen oder europäischen Angriff“ vor.

Noch bleibt ein wenig – kostbare – Zeit, um erst noch alle anderen Mittel auszuprobieren. Nach jüngsten israelischen Schätzungen würde Iran nicht vor Ende 2009 über die Atombombe verfügen. Gegenüber dem Auswärtigen- und Verteidigungsausschuss der Knesset erklärte der scheidende Chef des militärischen Nachrichtendiensts Aharon Zeevi Farkash, dass Teheran erst am Ende dieses Jahres mit der notwendigen Produktion von angereichertem Uranium beginnen könnte. Damit wiederrief er eine frühere Aussage, nach der Teheran bereits im kommenden März an diesem Punkt angekommen wäre.