Kosten für die Kinderbetreuung können künftig vom ersten Euro an von der Steuer abgesetzt werden. Dies gilt allerdings nur für zwei Drittel der tatsächlich anfallenden Summe. Darauf verständigten sich die Spitzen von Unions- und SPD-Fraktion am Dienstag. Die Höchstgrenze liegt bei 4000 Euro. Außerdem sollen auch Familien, in denen nur ein Elternteil verdient, von dieser Regelung profitieren. Sie können allerdings nur die Betreuungskosten für Kinder zwischen vier und sechs Jahren im gleichen Umfang absetzen wie Doppelverdiener. Ursprünglich sollte die Absetzbarkeit nur gelten, wenn beide Eltern berufstätig sind.

Sowohl die Sozialdemokraten als auch die Union konnten sich somit mit ihren Änderungswünschen teilweise durchsetzen. Die SPD hatte die Absetzbarkeit ab dem ersten Euro gefordert, um weniger Verdienende und Alleinerziehende besser zu stellen. Die CSU wollte Familien, in denen Mutter oder Vater nicht arbeiten, nicht benachteiligen.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte, Gewinner des Kompromisses seien die Familien. Die große Koalition habe jetzt ein gemeinsames Kind. "Das war eine lange, eine schwere Geburt, aber es hat sich gelohnt." Der Kompromiss sei ein wichtiger Schritt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schaffe Arbeitsplätze.

Auch der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zeigte sich sehr zufrieden mit der Einigung. "Heute ist ein guter Tag für die Familien in Deutschland", sagte er. Die Vorschläge der SPD seien umgesetzt worden. Jetzt könnten Kinderbetreuungskosten bis zum 14. Lebensjahr abgesetzt werden.

Die Grünen kritisierten dagegen, dass das Gesetz nichts daran ändere, dass es zu wenig Betreuungsangebote für Kinder gebe. Die Regelung diene eigentlich nicht der Familienpolitik sondern sei der Versuch, Arbeitsplätze im Haushalt zu schaffen. "Kinder und Familien haben wenig von der Großen Koalition zu erwarten, wenn innovative Familienpolitik durch arbeitsmarktpolitische Scheinlösungen und traditionelle Familienbilder in den Hintergrund gedrängt wird", sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast.

Ursprünglich war nach dem bei der Kabinettsklausur in Genshagen verabschiedeten Koalitionskonzept vorgesehen, dass für Kinder bis zu sechs Jahren die Betreuungskosten erst ab einer Schwelle von 1000 Euro absetzbar sein sollten. Die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Peter Struck, bestritten, dass der jetzige Gesetzesentwurf teurer werde als der ursprüngliche. Nach Angaben des Handelsblatts fallen dagegen Mehrkosten von 100 Millionen Euro an. Genaueres lässt sich wohl erst sagen, wenn die Vorhaben wirksam werden, da die Konsequenzen aus den steuerrechtlichen Details noch nicht absehbar sind.