Am 10. August wird es also so weit sein. Dann wird die umstrittene, vom Bund der Vertriebenen  gegründete Stiftung für ein "Zentrum gegen Vertreibung" erstmals ihre Wahrnehmung der Vergangenheit in einer Ausstellung präsentieren. In kleinerem Rahmen zwar als die für später geplante Dauerausstellung, doch die wesentlichen Elemente des Konzeptes werden bereits zu besichtigen sein. Anhand von dreizehn Beispielen sollen "erzwungenen Wege" – so lautet der Titel – gezeigt werden. Das beginnt mit dem Völkermord an den Armeniern 1915 und endet mit Zypern-Konflikt und Jugoslawienkrieg. Das Mittelstück der Ausstellung bilden die Vertreibung der europäischen Juden als Vorstufe zum Holocaust, Vertreibung und Zwangsumsiedlung von Polen, Balten und Ukrainern 1939-1949 und eben die Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Gezeigt wird das Ganze in einem der zentralen Ausstellungsgebäude der Hauptstadt, dem Kronprinzenpalais am Boulevard Unter den Linden.

Mit einem Beirat von nicht weniger als 22 Mitgliedern, von denen einige wie der Geschichtsprofessor Lothar Gall oder der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde Joachim Gauck hohe wissenschaftliche oder gesellschaftliche Reputation genießen, versucht das Zentrum, sich gegen den bereits in den vergangenen Jahren vielfach vorgetragenen Vorwurf eines relativistischen, das deutsche Leid einseitig betonenden Geschichtsbilds zu wappnen. Besonders bemüht hat man sich deswegen auch um die Mitarbeit ausländischer Historiker. Allerdings ist es bezeichnend, dass zwar ein israelischer, ein ungarischer und ein serbisch-montenegrinischer Wissenschaftler an dem Beirat teilnehmen, jedoch kein Pole für diese Aufgabe gewonnen werden konnte. In Polen hatte es in der Vergangenheit massive Proteste gegen das Zentrum gegeben.

Im Gegensatz zu der ursprünglichen Konzeption soll die Vertreibung von Deutschen nicht Schwerpunkt sondern nur ein Kapitel der ersten Schau werden. Für die Dauerausstellung werde jedoch an dem bisherigen Plan festgehalten, sagte Steinbach. Inhaltlich beruft man sich auf den Grundsatz eines Mannes, der eines deutschtümelnden Geschichtsbildes unverdächtig ist: Ralph Giordano. Dessen Ausspruch, dass Humanitas unteilbar sei, wird recht frei in das Motto uminterpretiert, Leid dürfe nicht gewichtet werden.

Damit ist man allerdings im Kern des Problems angelangt. Die Ausstellung stellt äußerst unterschiedliche historische Ereignisse gleichgewichtig nebeneinander und kommt zu einer sehr allgemein gehaltenen Kritik der Idee eines ethnisch homogenen Nationalstaates. Da fragt es sich natürlich, welchen tiefergehenden Erkenntnisgewinn man aus diesem Nebeneinander überhaupt ziehen kann.