Die Amerikanerin Chan Marshall gehört zu den empfindsamsten Geschöpfen der Musikszene. Unter dem Namen Cat Power hat die 34-jährige Musikerin seit Mitte der neunziger Jahre sieben Alben veröffentlicht. Ihre Lieder, die in der amerikanischen Musikgeschichte wurzeln, sind todtraurige Weisen von großer Intensität, in der die Liebe eine Sehnsucht und die Wirklichkeit schmerzhaft ist. © Katharina Langer für ZEIT online

(I Can’t Get No) Satisfaction von den Rolling Stones hat sie vor Jahren bis zum Fundament entkernt. Den Refrain ließ sie in ihrer Version aus. Stonescher Gockelrock, feministisch entkalkt, eine Studie in Minimalismus. Auf der Bühne sitzt sie alleine am Piano und wechselt hin und wieder zur Gitarre. Triumph und Katastrophe liegen nahe beieinander.

Das aktuelle Album The Greatest lässt gleichwohl vermuten, dass die Sängerin nicht mehr ganz so ruhelos ist. Die Texte zeigen dezente Aufhellungen am Horizont. Luxuriöse Arrangements verschmelzen mit luftigen Soul- und Country-Anleihen. Sinnigerweise sind die neuen Stücke im geschichtsträchtigen Memphis eingespielt worden, mit der Hilfe von Al Greens Mitstreitern aus den Siebzigern.

Ulrich Rüdenauer schwärmt in der FR von der neuen Chan Marshall und ihrer musikalischen „Heimkehr in den Süden“: „Trotz der für Cat Powers Verhältisse üppigen Arrangements mit Geigen und Bläsern sind weiter die Skelette der Songs erkennbar: betörend einfache Melodien, simple Stories, hypnotisierende Zeilen. Chan Marshall hat mit The Greatest tatsächlich etwas Großes abgeliefert.“

Jan Wigger hat die Musikerin für den Musikexpress getroffen. Opus Nummer sieben sei „eine Platte wie Samt“, die Produktion königlich. „Wenn man nebenbei bemerkt, dass The Greatest die erste Cat-Power-Platte ist, die man seiner Oma vorspielen kann und das auch getan hat, freut die Marshall sich wie ein Kind.“

Interviews mit Chan Marshall laufen – wie ihre Konzerte – nach wie vor eher ungewöhnlich ab. Was auch Jörn Schlüter im Rolling Stone bestätigen kann. Marshall hasse konventionelle Befragungen. „Irgendwie drängt da etwas im Inneren dieser nach außen eher schlichten, fast bürgerlich wirkenden Frau, die ihre Haare selbst schneidet und sich recht unauffällig kleidet, aber innerlich eine ganz und gar unkonventionelles Wesen ist.“ Marshall wolle nicht im Restaurant irgendeines Hotels in London sitzen, um Pressearbeit zu machen.