"Hans up!", fordert die Sun kürzlich in ihrer Schlagzeile- ein Wortspiel, das „Hände hoch“ mit dem Hinweis auf Deutsche verbindet. Das britische Massenblatt bedenkt uns gerne kollektiv mit dem Namen Hans, der ausgesprochen wird wie das englische Wort huns, Hunnen. Kein freundlicher Name - andernorts wird er auch nur noch selten verwendet. Das möchten die Deutschen während der WM im Sommer nicht gern sehen: Englische Hooligans, die - wie hier vor einem Spiel Englands gegen Tunesien - randalieren und Krawall machen. BILD

Aber nun in der Sun : Deutsche Polizisten, suggeriert das Blatt, würden bald auf britischem Boden auftauchen um Hooligans zu jagen. Der Artikel war mit dem Foto eines deutschen Beamten illustriert, der einen jungen Mann im Würgegriff hält. Das größte Massenblatt des Landes hatte nach eigenen Angaben ein Papier zugespielt bekommen, demzufolge die Londoner Regierung bereit sei, deutsche Beamte aktiv auf englischen Boden operieren zu lassen.

Die Sun hält das natürlich für eine Schnapsidee. Niemand wisse mehr über Hooligans als die eigene Polizei. Die Deutschen könnten den Briten nichts über die eigenen Rüpel beibringen. Im übrigen werde die Musik nicht in England, sondern in Deutschland spielen. Zumindest im letzten Punkt kann man der Sun nicht widersprechen.

Die Reaktion eines Labourabgeordenten zeigt allerdings, wie heikel die Angelegenheit tatsächlich ist. Niemand habe etwas dagegen, dass britische und deutsche Polizeikräfte kooperierten und Informationen austauschten, sagte der Politiker. Doch werde damit erstens ein bedenklicher Präzedenzfall geschaffen. Und zum zweiten könne eine deutsche Uniform auf englischen Straßen unschöne Reaktionen bei den eigenen Fans auslösen.

Die Episode unterstreicht, wie behutsam die Regierungen in London und Berlin vorgehen müssen. Andernfalls lösen sie Pressekampagnen aus, welche wiederum zu Spannungen unter den Fans führen könnten. Bezeichnend, dass sich auch das britische Innenministerium rasch zu einer Klärung veranlasst sah. Nein, deutsche Beamte würden auf britischem Territorium nicht das Recht zur Verhaftung erhalten; sie würden neben englischen Kollegen lediglich beratend und nur an Flughäfen und Häfen zum Einsatz kommen.

Die Nervosität der Regierung in Westminster schimmert auch in einer unfreiwillig komischen Versicherung des zuständigen Staatssekretärs durch: Die Präsenz deutscher Polizisten solle den englischen Fußballfans signalisieren, wie willkommen man sie in Deutschland heiße. So kann man es auch ausdrücken. In Wahrheit fürchten die deutschen Behörden nichts mehr als eine Invasion britischer Hooligans.

Mehr als 100.000 englische WM-Besucher werden in Sommer in Deutschland erwartet; die meisten davon wollen gewiss nichts weiter, als sich bei Bier und Fußball vergnügen und David Beckham und Co. zum zweiten Titelgewinn antreiben. Bekannt ist aber auch, dass sich friedliche Fußballfans - und zwar nicht nur britische - nach dem Genuss von allzu viel Bier in weniger angenehme Zeitgenossen verwandeln können.

Auch weiß niemand, wieviel gewaltbereite englische Hooligans durchs engmaschige Netz der Polizei schlüpfen werden. Mehr als 3100 englische Hooligans stehen schon auf einer Liste von Personen, die nicht ausreisen dürfen. Die Liste soll um noch einmal 1000 potentielle Gewalttäter erweitert werden.

Englische Bobbies werden britische Hooligans auch auf deutschem Boden verhaften dürfen. Berlin wie London gehen davon aus, dass sich in Deutschland niemand darüber aufregt. Womit sie Recht haben dürften. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es eben nicht immer dasselbe.