Johannes Rau, ehemaliger Bundespräsident und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ist am Freitagmorgen im Kreise seiner Familie gestorben. Der 75-Jährige war seit längerem schwer krank. Nachdem Rau am 1. Juli 2004 aus seinem Amt ausgeschieden war, hatte er sich zwei Operationen unterziehen müssen, von denen er sich nicht mehr richtig erholen konnte. Statt seiner hatten seine Kinder deshalb vor wenigen Tage die Glückwünsche zum 75. Geburtstag bei einem offiziellen Empfang im Schloss Bellevue entgegengenommen.
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Als einer der ersten führenden Politiker würdigte Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) Rau als großen Staatsmann. Auch in Nordrhein- Westfalen, wo er geboren wurde und lange Zeit Ministerpräsident war, herrschte Trauer. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte: "Johannes Rau war ein großer Ministerpräsident von Nordrhein- Westfalen, dem das Land und seine Menschen viel zu verdanken haben."

Rau war von 1999 bis 2004 deutsches Staatsoberhaupt. Zuvor war der Sozialdemokrat zwanzig Jahre lang Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen gewesen. Dort regierte er unter dem Motto "Versöhnen statt Spalten". 1985 formulierte er seine Einstellung zur Politik so:  "Das Ideal meiner Politik ist es, das Leben der Menschen im Laufe der Jahre ein Stückchen menschlicher zu machen."

Seine politische Karriere begann der am 16. Januar 1931 geborene Sohn eines Wuppertaler Predigers 1952 in der Gesamtdeutschen Volkspartei, die sein politischer Lehrmeister Gustav Heinemann aus Protest gegen die Politik Konrad Adenauers gegründet hatte. Nach dem Wechsel zur SPD stieg er schnell auf. Im Alter von 51 Jahren gab Rau 1984 sein Junggesellendasein auf und heiratete Christina Delius, eine Enkelin Heinemanns. Das Paar hat drei Kinder.

Raus politische Karriere wurde auch von wichtigen Niederlagen geprägt. 1987 scheiterte er als Kanzlerkandidat an dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. 1994 unterlag er bei seiner ersten Bewerbung für das höchste Staatsamt Roman Herzog. 1999 wurde Rau dann der achte Bundespräsident. Als Richtlinie für seine Amtszeit nannte er: "Ich will der Bundespräsident aller Deutschen sein und der Ansprechpartner für alle Menschen, die ohne einen deutschen Pass bei uns leben und arbeiten." Nachdrücklich setzte er sich für das Zusammenleben von Deutschen und Ausländern ein.

Rau profilierte sich als politischer Präsident. In einem historischen Auftritt vor dem israelischen Parlament Knesset am 16. Februar 2000 bat er um Vergebung für die Verbrechen Nazi-Deutschlands: "Im Angesicht des Volkes Israel verneige ich mich in Demut vor den Ermordeten, die keine Gräber haben, an denen ich sie um Vergebung bitten könnte. Ich bitte um Vergebung für das, was Deutsche getan haben, für mich und meine Generation, um unserer Kinder und Kindeskinder willen, deren Zukunft ich an der Seite der Kinder Israels sehen möchte."