Der größte Stahlkonzern der Welt, Mittal Steel, will die Nummer zwei, Arcelor, für 18,6 Milliarden Euro kaufen. Profitieren würde davon der deutsche ThyssenKrupp-Konzern. Er könnte nach einer Übernahme den kanadischen Produzenten Dofasco kaufen. Der nämlich gehört zu Arcelor, und Mittal Steel hat schon angekündigt, an die Düsseldorfer verkaufen zu wollen. Arcelor hatte ThyssenKrupp kürzlich im Rennen um Dofasco ausgestochen.

Mittal und Arcelor kämen gemeinsam auf einen jährlichen Umsatz von 69 Milliarden Dollar. Erstmals würde ein Unternehmen entstehen mit einer jährlichen Stahlproduktion von mehr als 100 Millionen Tonnen. Das sind rund zehn Prozent des Gesamtmarktes. Mittal kommt gegenwärtig auf rund 66 Millionen Tonnen. Arcelor lehnte einen Kommentar zu dem Übernahmeangebot ab, das bei 28,21 Euro je Aktie liegt. Die zeitweise vom Handel ausgesetzte Aktie von Arcelor stieg gegen Mittag um 35,5 Prozent auf 29,95 Euro.

ThyssenKrupp habe mit Mittal Steel schon eine Vereinbarung zu Dofasco unterzeichnet, teilte der deutsche Stahlkonzern mit. ThyssenKrupp habe sich verpflichtet, bis zu hundert Prozent der Anteile von Dofasco zum Preis von 68 kanadischen Dollar je Aktie zu erwerben. Das ist der Preis, den ThyssenKrupp zuletzt geboten hatte. Der Gesamtwert des Geschäfts liegt umgerechnet bei 3,8 Milliarden Euro. Doch zunächst muss die Übernahme von Arcelor durch Mittal Steel gelingen, sowie die Übernahme von Dofasco durch Arcelor. Trotz dieser Einschränkung legte die ThyssenKrupp-Aktie zeitweise um fast acht Prozent zu.

Der gebürtige Inder Lakshmi Mittal hatte in den vergangenen Jahren durch eine Reihe spektakulärer Übernahmen in der Branche den weltgrößten Stahlkonzern geschmiedet. Der Unternehmer hatte einst mit einem kleinen indischen Stahlwerk seines Vaters begonnen und ist inzwischen mehrfacher Milliardär.

Im vergangenen Frühjahr übernahm Mittal schon den amerikanischen Stahlkonzern ISG (International Steel). Seither hält Arcelor auf der Liste der größten Stahlunternehmen nur noch Platz zwei. Ende Oktober konnte Mittal seinen Vorsprung mit dem Kauf des ukrainischen Stahlkonzerns Kriworoschstal für vier Milliarden Euro ausbauen. Mittal Steel verspricht sich vom Erwerb Arcelors Synergieeffekte in Höhe von rund einer Milliarde Dollar. Der gebotene Übernahmepreis lag um 27 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages von Arcelor an der Pariser Börse.