KAIRO – Schon nach der ersten Runde des 25. Afrika-Cups in Ägypten sind den Sperbern die Flügel gestutzt worden. Die Auswahl des WM-Teilnehmers Togo kann sich nach zwei Niederlagen gegen die Demokratische Republik Kongo (0:2) und Kamerun (0:2) bereits vom Kontinentalwettbewerb verabschieden. Umso verwunderter nehmen die togoischen Teamgefährten das ungebrochene Medieninteresse an Sherif Touré Cougbadja zur Kenntnis. In den ersten Tagen musste der 23-jährige Spieler des Bezirksligisten Concordia Ihrhove eine Vielzahl von Terminen mit Fernsehteams, Journalisten und Radioreportern wahrnehmen. "Mein Bruder fragt schon, wer ich denn da in Deutschland sei. Und dann lacht er", sagt Touré, dessen Verein aufgrund finanzieller Probleme aus der Oberliga in die Bezirksliga zurückgestuft wurde.

Dabei ist es sein Bruder Abdelkader Cougbadja, der Togo den größten Erfolg in der Geschichte ermöglicht hat. Im letzten Qualifikationsspiel im Kongo war er es, der Togo in der 60. Minute den nötigen Ausgleichstreffer zum 2:2 bescherte und sogar noch das 3:2 nachlegte. Togos fünf Millionen Einwohner konnten ihr Glück kaum fassen, als ihr Team den zweimaligen Rückstand aufholte und sich somit die Teilnahme an der Weltmeisterschaft sicherte. Staatspräsident Faure Guassingbé erklärte den Montag nach der Qualifikation zum nationalen Feiertag.

Ein Erfolg, den Trainer Stephen Keshi ungern mit den Taten einzelner Spieler verbindet. "Ich habe keinen Spieler, den man als Schlüsselfigur bezeichnen könnte. Wir sind doch nicht beim Tennis", gibt er zu verstehen. Dass mit Emmanuel Adebayor der treffsicherste Stürmer der afrikanischen WM-Qualifikation in seinen Reihen spielt, ist für Keshi kein Kriterium. Der aus Nigeria stammende Coach setzt auf den großen Zusammenhalt der Mannschaft des kleinen Landes.

Bei der 0:2-Auftaktniederlage im Afrika-Cup gegen die Republik Kongo verlor Togo aber nicht nur ein Spiel, sondern auch ihr vielleicht einziges Qualitätsmerkmal: die Gemeinschaft. Wuterfüllt und mit gehobenen Fäusten ging der togoische Trainer Stephen Keshi mit den Worten "Du brichst mich nicht" im Teambus auf seinen Star Emmanuelle Adebayor los, bevor er von Spielern gestoppt wurde. Dem ging ein Interview Adebayors voraus, in dem er Keshi bezichtigte, ihn vor einigen Wochen als Agent zu einem anderen Verein transferieren zu wollen. "Er sagte, er könne mich zu einem guten englischen Club vermitteln." In Sorge von dem jüngst für 10 Millionen Euro von Monaco nach Arsenal gewechselten 21-jährigen Jungstar, der nach dem Spiel ankündigte, unter diesem Trainer nie wieder für Togo spielen zu wollen, um den Erfolg der WM-Teilnahme gebracht zu werden, verlor Stephen Keshi schließlich die Räson. "Alles was er euch erzählt hat, ist eine Lüge. Er erzählt Müll", schrie Keshi den noch wenig verbliebenen Journalisten aus dem Bus zu.

Ein Eklat, der das Zusammengehörigkeitsgefühl und wohl auch den Trainer zur Disposition stellt. Dabei war es Keshi der zu Amtsbeginn das Bemühen des togoischen Verbandes beendete, im Ausland wahllos Spieler einzubürgern. "Keshi will Spieler, die von sich aus das Trikot Togos überstreifen wollen", sagt Eric Akoto vom österreichischen Verein Admira Wacker. Weswegen das Buhlen um Valerién Ismael zwar schnell eingestellt wurde, aber die Fahndung nach Jugendspielern mit togolesischen Wurzeln weiter betrieben wird. So gleicht  das togoische Team einer kleinen westafrikanische Auswahl. "Togo ist ein Schmelztiegel verschiedener Ethnien", beschreibt Stephen Keshi. "Mit vielen ghanaischen und nigerianischen Bindungen." Ein Umstand, der vor allem aus den politischen Problemen resultiert. Am Todestag des langjährigen Staatspräsidenten Gnassingbé Eyadéma wurde unter Missachtung der Verfassung kurzerhand sein Sohn Faure im April des vergangenen Jahres vom Militär zum Präsidenten, was zu Unruhen und der Flucht von 35.000 Menschen führte. Nach den teilweise erheblichen Unruhen im Anschluss an den von allen westlichen Staaten sowie der Opposition kritisierten Amtsantritt von Faure Gnassingbé hat sich die Lage im Land bis heute weitgehend beruhigt. Dennoch wirkt sich die Flüchtlingsproblematik und die soziale und kulturelle Vielfalt in dem aus über 40 verschiedenen Ethnien zusammengesetzten Land auch auf die Nationalmannschaft aus.

Biographien wie die von Eric Akoto, dessen Familie in Ghana lebt, ihren Sohn aber für Togo spielen sieht, wenngleich dieser bereits in der ghanaischen Jugendauswahl mit Michel Essien zusammen auf dem Feld stand, sind keine Seltenheit. "Wenn du die Chance hast, eine Weltmeisterschaft zu erleben, ist das eine große Sache", erklärt Akoto. Eine B-Auswahl Nigerias oder Ghanas sei man deshalb aber noch lange nicht, erklären die Spieler. In einem Vorbereitungsspiel für den Afrika-Cup gewann Togo gegen Ghana mit 1:0. Ein Ergebnis, welches Trainer Stephen Keshi auf seinem Weg bestätigt, sein Team auch unter Zeitdruck immer weiter auf dem Weg zur WM verbessern zu wollen. "Ich möchte meinen Spielern die Einfachheit und den Fluss des Spiels vermitteln", erklärt der langjährige nigerianische Internationale.

Wie lange er das noch tun darf, ist nach dem Ausscheiden in der ersten Runde des Afrika-Cups fraglich. Denn Togos Bevölkerung steht nach dem Zwist mit Coach Keshi hinter ihrem Star Emmanuel Adebayor. Einem Stürmer, der Togo und Keshi mit seinen elf Toren in der Qualifikation die WM-Teilnahme in Deutschland sicherte. Er wäre nicht der erste Trainer, der an einem Konflikt mit seinem Starspieler und seiner Lobby im Verband zerbrechen würde. Darum sorgt sich auch der beim französischen Amateurklub Dunkerque wirkende togolesische Kapitän Yaovi Abalo. "Das Problem im togoischen Fußball ist der togoische Fußballverband."