Seit zwei Jahren wohnen Uliana Galdina und ihre Mutter bei den Großeltern in einem Omsker Neubaugebiet. Vier Menschen drängen sich in zwei winzigen Zimmern. Ulianas Vater wollte den beiden eigentlich eine eigene Wohnung kaufen, behielt sie dann aber für sich allein.

In Sibirien dauert der Winter sieben Monate. Früher zu Sowjetzeiten wurden die Menschen mit Kältezulage nach Omsk gelockt. 1 Million Menschen leben heute in der Stadt, schmieden Waffen in einer der Rüstungsfabriken, schuften in einer der größten Öl-Raffinerien des Kontinents.

Ulianas Großmutter, Emilia Sedova, (erste Reihe, zweite von links) spielt seit ihrer Jugend Klavier und singt. Auf einem Konzert vor fast 50 Jahren hat Ulianas Großvater Boris Sedov, sie zum ersten mal gesehen und sich sofort in sie verliebt. Untere Reihe (v.l.n.r. Großvater Boris Sedov, Großmutter Emilia Sedova, Mutter Margarita Galdina, Ulianas Freund Boris Plate) obere Reihe v.l.n.r. Ulianas Tante Olga Lorer, Uliana Galdina, Ulianas Cousin Boris Lorer)

Früher fuhr Boris Sedov mit dem LKW durchs große Sowjetreich, nach einem Herzinfarkt muss der 68-Jährige nun zu Hause bleiben. Jeden Tag geht Sedov eine halbe Stunde draußen spazieren. Egal, wie das Wetter ist. Er sagt: „Es gibt keine Kälte, nur falsch angezogene Menschen.“

In den neunziger Jahren gab es eine Zeit in Russland, wo Gehälter und Renten nur selten gezahlt wurden. Die Menschen haben sich auf Krisen eingestellt. Ulianas Großeltern könnten sich selbst versorgen, bauen Gemüse und Obst in ihrem Garten an. Ihren Wein machen sie auch selbst.

Im 19. Jahrhundert war Omsk ein Ort der Verbannung. Fjodor Dostojewski beschrieb seine Zeit in der Stadt in den „Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“.