In 80 Tagen um die Welt - ZEIT -Autoren haben sich aufgemacht, der Globalisierung auf der Spur. Eine Reise rund um den Globus. Diesmal: Zwanzig Jahre vor dem Karren - Wie der Staat das Rikscha-Gewerbe in Kalkutta verbieten will.

Mangal Chowdury ist 40 Jahre alt, vielleicht auch 42, oder 45. Niemand schrieb das Datum auf, als er geboren wurde. Seit etwa zwanzig Jahren arbeitet er als Rikscha-Zieher in der indischen 14-Millionen-Metropole Kalkutta. Manche nennen leute wie ihn die Pferdemenschen. Meist verdient Mangal etwa 80 Rupien am Tag, umgerechnet nicht einmal zwei Euro. Damit ernährt er sich und seine fünfköpfige Familie draußen auf dem Land.

Nick Nostiz/Agentur Focus

Jeden Tag ist Mangal zwölf, dreizehn Stunden unterwegs. Schon am frühen Morgen zieht er die ersten Fahrgäste durch die Stadt. Oft sind es kleine Kinder, die noch nicht alleine zur Schule gehen können, oder Frauen auf dem Weg zum täglichen Einkauf. Die Rikscha ist weit billiger als ein Taxi und in den engen Gassen der Altstadt oft genauso schnell.

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Mangal Chowdury an seinem Standplatz in der Muzaffar Ahmed Street. Hier wartet er manchmal stundenlang auf Fahrgäste. Seitdem sich in Kalkutta immer mehr Leute ein Mofa oder sogar ein Auto leisten können, läuft das Geschäft der Rikscha-Zieher von Jahr zu Jahr schlechter.

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Ganz hinten am Ende der Rikscha-Garage arbeitet Rajinder Thakur, der Mechaniker. Er repariert abgesplitterte Holme, ersetzt gebrochen Speichen oder verziert das schwarze Holz der Rickschas mit roter Farbe. Wie Mangal Chowdury und die meisten anderen Rikscha-Zieher stammt auch er aus Bihar, dem ärmsten aller indischen Bundesstaaten.

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Abends gibt es fast immer das gleiche zu essen: Reis mit Gemüsesoße. Die Rikscha-Zieher wechseln sich ab mit dem Kochen. Obwohl es in der Garage keine Konflikte zwischen den Angehörigen der beiden Religionen gibt, bleiben Hindus und Moslems beim Essen meist unter sich.

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Der Raum ist knapp in der Rikscha-Garage. Nachts quetschen sich meist fünfzig und mehr Männer auf dem steinernen Boden nebeneinander. Wer dort keinen Platz mehr findet, legt sich auf ein paar Holzbohlen knapp unter dem Dach.

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