Mindestens elf Menschen sind am Freitag bei Protesten vor dem italienischen Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi ums Leben gekommen. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Abend berichtete, habe es auch etwa 55 Verletzte gegeben. Bei den Opfern soll es sich um libysche Staatsbürger handeln.

Die Proteste richteten sich gegen die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Presse und könnten in Zusammenhang mit der Initiative des italienischen Reform-Ministers Roberto Calderoli stehen, der in den vergangenen Tagen T-Shirts mit den Karikaturen getragen hatte, hieß es. Am späten Abend habe sich die Lage wieder beruhigt.

Der Konsul Giovanni Pirrello, seine Frau und die engsten Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden. "Es war ein furchtbarer Nachmittag, wir hatten Angst um unser Leben, diese Schüsse und dann die Leute, die versuchten, sich Einlass zu verschaffen", sagte die Ehefrau des Diplomaten. Die Polizei soll das Feuer auf die Menge eröffnet haben, als die Demonstranten die Absperrungen vor der italienischen Vertretung durchbrachen. Sie zerschlugen die Fensterscheiben und warfen Brandsätze in das Gebäude.

Unterdessen wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Italien und an den italienischen Botschaften und Konsulaten im Ausland verschärft. Ministerpräsident Silvio Berlusconi forderte Calderoli umgehend zum Rücktritt auf. "Ich glaube, dass Calderoli sofort seinen Rücktritt einreichen sollte", wurde Berlusconi zitiert. Er könne Calderoli jedoch nicht zur Demission zwingen.

Calderoli hatte zuvor erklärt es sei "Zeit, damit aufzuhören uns das Märchen zu erzählen, dass wir mit den Moslems einen Dialog suchen müssen". Der Minister von der rechtspopulistischen Liga Nord fügte hinzu, er werde jedem Interessenten, der ihn darum bitte, ein solches Shirt schenken. Nach den Demonstrationen in Libyen bezeichnete die Mitte-Links-Opposition die Regierung als "unverantwortlich". Sie setze die Sicherheit des Landes aufs Spiel.