Auf einer Sondersitzung in Berlin berät der Agrarausschuss des Bundestags am Mittwoch über Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe. Grüne und FDP hatten dem Landkreis Rügen, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) Fehler beim Krisenmanagement vorgeworfen. Die Vorsitzende des Agrarausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), sprach von Schlamperei und Defiziten in der Koordination. Die FDP-Fraktion, die die Sondersitzung beantragt hat, fordert von Seehofer einen Bericht.

Seehofer hofft auf einen Erfolg im Kampf gegen die Tierseuche in Deutschland, hält aber zugleich eine weitere geografische Ausbreitung für realistisch. Ob die Sondersitzung des Bundestagsausschusses öffentlich gemacht wird, war noch unklar. Die FDP-Bundestagsfraktion appellierte an CDU/CSU und SPD, die Sitzung für die Öffentlichkeit angesichts des großen Interesses an dem Thema zugänglich zu machen.

Die Kritik von SPD-Vize Kurt Beck am Krisenmanagement der Bundesregierung wies Seehofer zurück. "Viele, die sich im Moment zu Wort melden, sind selbst sehr weit weg. Erst werden Versäumnisse kritisiert, dann hagelt es Vorwürfe, dass die Vorsorgemaßnahmen überzogen sind. Das passt nicht zusammen", sagte der Minister der Passauer Neuen Presse . Beck befinde sich derzeit im Wahlkampf: "Das erklärt einiges."

Die Zahl der nachweislich an dem gefährlichen Virus H5N1 gestorbenen Wildvögel in Mecklenburg-Vorpommern stieg bis zum Dienstagabend auf 103. Das Institut für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems hatte das tödliche Virus bei weiteren 18 Schwänen, 3 Kanadagänsen sowie einem Mäusebussard festgestellt. Alle neuen Befunde stammen von der Insel Rügen, die meisten aus dem Bereich der Wittower Fähre, wo auch die beiden ersten infizierten Schwäne gefunden worden waren. Unterdessen wurde das Virus H5N1 erstmals auch in Ungarn entdeckt. Damit ist die Tierseuche seit Anfang Februar in 14 Ländern neu ausgebrochen, allein 7 davon in der EU.

Die gesamte Küste Mecklenburg-Vorpommerns wurde zur Überwachungszone erklärt, an der Küste Vorpommerns gilt weiter Katastrophenalarm. Die Bundeswehr stockte ihre Kräfte auf Rügen auf etwa 300 auf, in Nord- und Ostvorpommern ist sie derzeit nicht im Einsatz. Auch in den Landkreisen und großen Städten an der Küste wird gezielt nach toten Vögeln gesucht. Um einen Übergriff der Seuche auf Nutztierbestände zu verhindern, wurden auf Rügen bis Dienstag 2.865 Tiere vorsorglich getötet, vor allem Hühner und Enten bei einem großen Betrieb und mehreren Kleinsthaltern.

Entscheidend sei der Schutz der Hausgeflügelbestände, betonte Seehofer. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Südwestrundfunk (SWR), noch sei kein Hausgeflügel infiziert. "Unser ganzes Augenmerk sollte darauf gelenkt werden, diesen Zustand möglichst zu erhalten", sagte sie.