Morgens um sechs leuchten am Freitag auf dem Betriebsplatz der Stadtreinigung Hamburg Mitte die ersten Arbeitsjacken. Doch arbeiten will heute keiner: Es wird gestreikt. "Morgens ist es noch kühl. Da machen wir uns ein kleines Feuerchen zum Aufwärmen", sagt einer. Und: "Was tut man nicht alles für die Gerechtigkeit."

Seit Dienstag streiken die Angestellten der Abfallentsorgung. "Es geht uns nicht um die 18 Minuten, wie es in der Öffentlichkeit immer wieder dargestellt wird. Uns geht es um die Arbeitsplätze", sagen sie. Und die seien nicht sicher. Wenn die Arbeitszeit um 18 Minuten je Tag verlängert wird, könnten die öffentlichen Arbeitgeber in den kommenden Jahren Tausende Jobs einsparen, fürchten sie.

"Besonders klasse" findet ein Personalrat das Verständnis und den Zuspruch, den viele Bürger den Streikenden entgegenbringen. "Dadurch hat unser Vorhaben noch einen zusätzlichen positiven Schub erfahren", sagt er. "War ja nicht ganz klar, wie die Leute reagieren, wenn der Müll vor der Haustür stehen bleibt."

Dann sammeln sich die Müllwerker und lauschen jenen, die die Marschroute für die nächste Zeit vorgeben.

Um halb zehn öffnet sich die Schranke. Busse rollen heran und bringen Mitarbeiter aus Rahlau und aus Bergedorf. "Das Thema ist noch längst nicht durch", ruft einer. "Die kommen alle, um uns zu unterstützen. Und nächste Woche kommen wir rüber. Das ist noch wahre Solidarität."

Wer friert, muss essen. Wer streikt, auch. Und Bratwurst hebt die Laune.