In Nigeria schlugen am Samstag Demonstrationen in Gewaltakte gegen die christliche Minderheit um. Mehrere Dutzend Menschen wurden getötet. Die Gewaltakte wurden aus zwei Bundesstaaten im Norden des Landes gemeldet. Augenzeugen berichteten, mindestens 18 Kirchen seien zerstört und Geschäfte von Christen geplündert worden. Mindestens 140 Menschen wurden festgenommen. Das westafrikanische Land muss bisher die meisten Todesopfer im Zusammenhang mit den Satirezeichnungen beklagen.

In Libyen wurden 11 Demonstranten von Sicherheitskräften erschossen, als sie am Freitag versuchten, das italienische Konsulat in Begasi zu stürmen. Ihre Wut richtete sich gegen den italienischen Reformminister Roberto Calderoli, der provokativ ein T-Shirt mit den umstrittenen dänischen Karikaturen getragen hatte. Calderoli, der der rechtspopulistischen Liga Nord angehört, musste am Samstag zurücktreten. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte ihn dazu aufgefordert. Außenminister Gianfranco Fini hatte Calderoli zuvor für die Ausschreitungen mitverantwortlich gemacht. Auch in Libyen stürzte ein Minister über die Vorfälle. Innenminister Nasr Mabruk wurde am Samstag entlassen, weil er für den "übertriebenen Einsatz von Gewalt" gegen die Demonstranten verantwortlich sei, hieß es offiziell. Mehrere Beamte des Sicherheitsapparats wurden festgenommen.

In Indien und Pakistan wurden Kopfgelder in Millionenhöhe für die Ermordung der dänischen Karikaturisten ausgesetzt. Der Minister für das Gemeinwohl von Minderheiten des bevölkerungsreichsten indischen Bundesstaats Uttar Pradesh, Haji Yaqoob Quereshi, versprach demjenigen ein Kopfgeld von umgerechnet mehr als 11 Millionen Dollar, der die dänischen Karikaturisten tötet.

Die Vereinigung der Goldschmiede in der pakistanischen Nordwest-Grenzprovinz lobte ebenfalls eine Million Dollar aus. Am Sonntag versammelten sich in der Hauptstadt Islamabad trotz Demonstrationsverbots rund 2000 Anhänger einer islamistischen Partei. Die Polizei löste die Veranstaltung mit Tränengas und Schlagstöcken auf.

Zehntausende Anhänger einer islamischen Partei demonstrierten am Sonntag auch in Istanbul gegen die Karikaturen. Die von der außerparlamentarischen Saadet-Partei organisierte Kundgebung verlief äußerst diszipliniert. In Indonesien dagegen bewarfen 300 radikale Muslime am Sonntag die amerikanische Botschaft in Jakarta mit Steinen und Eiern und versuchten, das Gelände zu stürmen. Rund 10.000 Menschen zogen am Samstag in London friedlich vom Trafalgar Square zum Hyde Park. Der Protestzug war vom Dachverband muslimischer Vereinigungen organisiert worden.

Der saudi-arabische König Abdullah warnte unterdessen davor, die Kontroverse um die Karikaturen als Ausdruck eines "Kampfes der Kulturen" zu werten. Er appellierte an die arabischen Denker, sich für eine Verbreitung der Idee eines friedlichen Miteinanders einzusetzen. Gleichzeitig rief er die Muslime zur Einigkeit auf.