Soldaten in Schutzanzügen, abgesperrte Fundstellen, groß angelegte Desinfizierungsmaßnahmen: Die Vogelgrippe erzeugt Bilder, die keinen beruhigenden Eindruck machen. Um so wichtiger ist die genaue Beschreibung der Fakten durch die Presse. Und Kommentare, die dem beunruhigten Leser Einordnung und Aufklärung verschaffen.

In diesem Sinne schreibt die Süddeutsche Zeitung am Dienstag, dass die Vogelgrippe "wirklich ernst zu nehmen ist. Panik ist aber nicht angebracht, solange man sich nur vor der Ansteckung durch Tiere fürchten muss." Und auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bleibt nüchtern: "...bisher geht es nur um Federvieh und Geld - nicht um Menschenleben."

Problematisch werden Kommentierung und Berichterstattung, wenn verschiedene Dinge durcheinander geraten: Die Vogelgrippe, die die Vögel betrifft, die normale Grippe beim Menschen, die jedes Jahr wiederkehrt sowie eine weltumspannende Grippewelle (Pandemie), die eines Tages durch ein neues, noch nicht existentes Grippevirus ausgelöst werden kann. Das Virus H5N1 steht im Verdacht, dass es sich möglicherweise zu einem neuen Virus verändern könnte, das den Sprung von Mensch zu Mensch schafft und dann zu einer direkten Gefahr für den Menschen wird.

Nun titelt die Bild-Zeitung am Dienstag auf der Seite eins zum Thema: "Immer mehr tote Vögel. Viel zu wenig Tamiflu. 1. Isolierstation für Menschen". Wer bei solchen Worten keine Angst bekommt, hat gute Nerven. Eine Seite weiter im Kommentar wird es dann konspirativ: "Warum tragen die Helfer, die ein paar tote Seevögel am Strand aufsammeln, modernste Schutzanzüge und Atemmasken? Warum schickt die Bundeswehr eilig ABC-Kampfstoffexperten, wie nach einem Atomunfall? Ist der Virus wirklich so harmlos? Glauben die Behörden etwa ihren eigenen beschwichtigenden Worten selber nicht? "

"Sie" - die Politiker und Behörden - verfügen dem Bild -Kommentar nach über ein Geheimwissen, das uns - "den Bürgern" vorenthalten wird. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass der Bild -Kommentar mit den Worten schließt: "Bitte sagt uns die Wahrheit!"

Auf dem Boden der Realität dagegen sind meist die Tipps, die der Hausarzt zur Grippesaison gibt und die auch bei härteren Influenzawellen zu berücksichtigen sind: Immer ordentlich die Hände waschen. Auch das schützt.

Und real ist es auch anzunehmen, dass sich die Vogelgrippe als hochinfektiöse Tierseuche in Deutschland ausbreiten wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Wildvögel das Virus H5N1 nur in den deutschen Nordosten getragen haben. Wahrscheinlich ist er längst in anderen Regionen angekommen. Wir wissen es nur noch nicht.