Nach den ersten Vogelgrippefällen auf dem deutschen Festland ist der Katastrophenalarm am Montagabend auf nahezu ganz Vorpommern ausgeweitet worden. Nach dem Landkreis Rügen riefen vorsorglich auch die betroffenen Nachbarkreise Nord- und Ostvorpommern den Katastrophenfall aus. Zudem wurden alle Landkreise und großen Städte an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns zur Überwachungszone erklärt. Die Bundeswehr stockte ihre Kräfte auf Rügen um 250 Kräfte auf, Ostvorpommern forderte ebenfalls Hilfe der Bundeswehr an. Die mit Schutzanzügen ausgestatteten Soldaten sollen auch am Dienstag auf der Ferieninsel tote Vögel einsammeln. Außerdem wird in den Landkreisen und großen Städten an der Küste gezielt nach toten Vögeln gesucht.

Nach Einschätzung des Agrarministers von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), hat das Land die Situation "insgesamt noch nicht im Griff". Bislang wurde das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 bei 81 Vögeln festgestellt.

Mit weiteren infizierten Tieren sei zu rechnen, das Risiko der Einschleppung in Hausgeflügelbestände wachse, sagte Backhaus. Mit den Vertretern der Kreise und Städte habe es keine Differenzen über den Ernst der Lage gegeben. Man sei sich einig, dass Fundorte infizierter Vögel abgesperrt würden und das Betreten verboten sei.

Auf Rügen waren bereits am Sonntag vorsorglich 2.463 Tiere aus einem großen Betrieb und einigen Kleinsthaltungen getötet worden. Am Montag sollten Tiere aus weiteren fünf Kleinstbeständen getötet werden. Sie sind Backhaus zufolge aber nicht infiziert. Die vorsorglichen Tötungsmaßnahmen seien auch ein Signal an die EU, dass das Land ernsthaft gegen die Vogelgrippe vorgehe.

Die deutschen Landwirte forderten eine großzügige Entschädigung der betroffenen Bauern. "Bund und Länder müssen solidarisch einstehen, falls sich die Seuche weiter ausbreitet", sagte der Generalsekretär des Bauernverbandes, Helmut Born, der Berliner Zeitung (Dienstag). Der Schweriner Landesbauernverband forderte, nicht nur den Wert der getöteten Tiere, sondern auch den Ertragsschaden zu ersetzen. "Der Staat darf die Bauern mit den Folgeschäden nicht allein lassen", sagte Pressesprecher Harald Kienscherf derselben Zeitung. Weder der Einnahmeverlust durch ausbleibende Eier noch die Kosten von Desinfizierung der Ställe und Wiedereinstieg in die Haltung würden übernommen.