Das Vogelgrippevirus H5N1 hat das deutsche Festland erreicht. Bei zwei von fünf verdächtigen Proben wurde am Sonntagabend im nationalen Referenzlabor auf der Insel Riems eine Infektion von Wildvögeln mit dem Virus festgestellt. Das teilte das  Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit mit. Es handelt sich um einen Bussard aus Ostvorpommern und eine Silbermöwe aus Nordvorpommern. Das H5N1-Virus ist inzwischen bei 81 Wildvögeln nachgewiesen worden.

"Damit ist das eingetreten, was zu befürchten war", sagte Institutspräsident Thomas Mettenleiter. "Wildvögel lassen sich eben leider nicht reglementieren." Mettenleiter forderte die strikte Einhaltung der Stallpflicht für Nutzgeflügel sowie eine umfassende Bestandshygiene. Nur so könne ein Eindringen der Vogelgrippe in die Nutzgeflügelbestände verhindert werden.

Nach der Kritik an der schleppenden Seuchenbekämpfung auf Rügen hatten die Behörden der Ostseeinsel am Sonntagmorgen schärfere Maßnahmen erlassen, um die Vogelgrippe zu bekämpfen. Wer die Insel über den Rügendamm verlassen will, muss über ausgelegte Seuchenmatten fahren oder gehen. Speziell ausgebildete Bundeswehrsoldaten der ABC-Abwehr überwachen den Fahrzeugfluss an der Brücke nach Stralsund.

Dennoch verstummen die Vorwürfe gegen die lokalen Behörden nicht. Auch am Sonntag weigerte sich Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) den Katastrophenfall auszurufen. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus sagte daraufhin: "Wir haben kein Handlungsdefizit, aber wir haben ein Umsetzungsdefizit hier auf der Insel."

Einheiten der Feuerwehr suchen unterdessen überall auf der Insel nach weiteren toten Wildvögeln. Am Samstagabend hatte das ZDF Aufnahmen eines Hubschrauberüberflugs gezeigt. An verschiedenen Stellen im Norden, Osten und Süden der Insel waren tote Schwäne zu sehen gewesen, die im Wasser trieben oder auf Sandbänken angeschwemmt worden waren. Einzelne Kadaver waren von Möwen und anderen Vögeln schon angefressen worden. Bis Sonntagabend wurden knapp tausend tote Wildvögel geborgen. Wieviele von ihnen an der Vogelgrippe starben, ist noch völlig unklar.

Vorsorglich hat der Landkreis nun nach Absprache mit der Landesregierung die Tötung von Haustieren wie Hühnern, Enten, Gänsen und Puten in besonders gefährdeten Regionen der Insel angeordnet.