Im Kampf gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe beraten die Verantwortlichen am Montag in Brüssel und Schwerin. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) spricht mit Landräten über Schutzmaßnahmen.

In Brüssel wird der Schutz vor dem Überspringen der Vogelgrippe von Wildvögeln auf kommerzielle Zuchtbetriebe in Europa das Hauptthema sein. Die EU-Kommission will den Sachstand über die Ausbreitung des gefährlichen Erreger-Typs H5N1 berichten. Auf Antrag von Italien und Griechenland soll über Beihilfen aus der EU-Kasse für den im Süden Europas bereits in Mitleidenschaft gezogenen Markt für Geflügelprodukte beraten werden. Auch die Pläne Frankreichs und der Niederlande für Geflügel-Schutzimpfungen sollen beim Treffen der EU-Agrarminister angesprochen werden. Konkrete Beschlüsse stehen aber nicht an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenende der Insel Rügen Hilfen des Bundes in Aussicht gestellt. Merkel sagte bei einem ersten Besuch auf der Ostsee-Insel seit Ausbruch der Seuche vor knapp einer Woche, wenn sich die Lage verschärfe, werde der Bund "mit allem, was ihm zu Verfügung steht, dabei sein". Die Lage sei ernst. Zu Merkels Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern gehört auch Rügen. Für die Insel rief Landrätin Kerstin Kassner am Sonntagabend den Katastrophenfall aus. "Der Landkreis ist nicht mehr in der Lage, mit seinen eigenen Kräften die toten Wildvögel zu beseitigen. Die Anzahl erhöht sich stündlich. Wir hoffen, dass wir mit Unterstützung von Bund und Land die schwierige Situation meistern", erklärte Kassner. 275 Helfer seien im Einsatz, um tote Vögel zu sichten und zu bergen sowie Absperrungen zu errichten.

Aufgrund der kommunalen Selbstverwaltung hätten die Landkreise die Verantwortung für Schutzmaßnahmen zu tragen, sagte Backhaus. Sie müssten zum Beispiel für ausreichend Tötungsmöglichkeiten für Hausgeflügel sorgen. Auf Rügen war am Sonntag angeordnet worden, besonders gefährdete Hausgeflügelbestände vorsorglich zu töten.

Sollten Betriebe in Existenznot geraten, müssten Bund, Länder und Europäische Union einspringen, forderte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, Helmut Born, in der Hannoverschen Neuen Presse (Montag). "Das ist unsere Forderung, auch wenn über Rügen hinaus noch weitere Keulungen angeordnet werden sollten." Born äußerte Verständnis für die vorsorgliche Tötung ganzer Bestände: "Wenn es eine unmittelbare Gefährdung in den Betrieben vor Ort gibt, muss schnell gehandelt werden."