Die USA haben nach einem Bericht der New York Times einen Monat vor Beginn des Irakkriegs die Verteidigungspläne für Bagdad aus deutschen Geheimdienstquelle erhalten. Dies berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf eine geheime Studie des US-Militärs.

Zwei deutsche Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes  in Bagdad hätten sich eine Kopie der Geheimpläne des damaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein vom Dezember 2002 verschaffen können. Danach hätten die beiden das Material an ihre Vorgesetzten weitergeleitet. Im Februar 2003 sei das Dossier von einen deutschen Geheimdienstoffizier in Katar einem Kollegen vom US- Militärgeheimdienst überlassen worden. Die New York Times schrieb dazu: "Durch das Beschaffen der irakischen Dokumente haben deutsche Geheimdienstbeamte den USA bedeutsamere Hilfe geleistet, als es ihre Regierung öffentlich zugegeben hat."

Das Papier habe den USA einen außergewöhnlich guten Überblick über den Stand der Diskussion im Führungszirkel des Regimes gegeben, schrieb die "New York Times". Darunter seien auch Angaben gewesen, wo und wann Saddam Hussein seine loyalsten Truppen habe aufstellen wollen. Dieser Plan sei amerikanischen Kommandeuren einen Monat vor der US-Invasion übergeben worden. Der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm habe der Zeitung am Sonntag telefonisch keine Auskunft über die Rolle deutscher Agenten erteilen wollen, schrieb das Blatt weiter.

Die Bundesregierung hatte am Donnerstag ihren Bericht zum Irak- Einsatz des BND veröffentlicht. Er umfasst rund 90 Seiten und ist damit deutlich kürzer als das fast 300 Seiten umfassende Dossier, das das geheim tagenden Parlamentarische Kontrollgremiums vorgelegt bekommen hat. Der Bericht beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Rolle des BND im Irak und den Kenntnissen der Bundesregierung über angebliche CIA-Flüge über Deutschland sowie Geheimgefängnissen.

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele - Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Geheimdienste (PKG) - hatte bereits am Mittwoch abend nach einer PKG-Sitzung gesagt, er sei überzeugt, dass die beiden nach Kriegsausbruch in Bagdad verbliebenen BND-Agenten "Objekte aufgeklärt und nach Deutschland zur Weitergabe an US-Stellen weitergeleitet haben". Es habe vier schriftliche Meldungen mit elf Zielen gegeben. Überwiegend hätten diese Meldungen auch geographische Koordinaten enthalten. Die Bundesregierung sei nach Angaben von Ströbele über die konkrete Tätigkeit der beiden BND- Mitarbeiter in Bagdad nicht informiert gewesen.

Die BND-Mitarbeiter seien in Bagdad gewesen, als das US-Militär Vorbereitungen für die geplante Invasion des Irak traf, schreibt nun die "New York Times". Zu ihren Aufgaben gehörte laut der US-Studie, den geheimen Verteidigungsplan Bagdads zu bekommen. Die irakische Führung habe jahrelang die Strategie verfolgt, Truppen entlang der Einfallroute nach Bagdad in Stellung zu bringen, um so einmarschierenden Truppen möglichst große Verluste zuzufügen. Im Dezember 2002 habe Saddam jedoch den Plan geändert. Der neue Plan sah vor, mehrere Verteidigungsringe um Bagdad zu legen, darunter eine "rote Linie", die die Republikanischen Garden bis zum bitteren Ende halten sollten.

Die geheime US-Militärstudie enthalte auch eine Kopie der Skizze der BND-Mitarbeiter. "Die Zeichnung hatten die Deutschen von einem ihrer Informanten in Bagdad (Identität der Quelle unbekannt) erhalten", heißt es in der Studie. "Als die Bombardierung begann, stellten die Agenten ihre Operationen ein und zogen sich in die französische Botschaft zurück." Nach Informationen des Berliner Tagesspiegels erhielten die beiden BND-Agenten nach dem Irak amerikanische Auszeichnungen für ihre Tätigkeit.

Bereits vor Beginn des Krieges hatten die USA eine vertrauliche Liste von Ländern aufgestellt, die bereit waren, Washington als Mitglied in der "Koalition der Willigen" zu unterstützen. Deutschland sei zwar vehement gegen den Krieg gewesen, habe das amerikanische Vorhaben aber nicht behindert und sogar in begrenztem Rahmen eine Zusammenarbeit angeboten, schreibt die Zeitung. Deshalb sei es als "nicht der Koalition angehörend, aber kooperierend" eingestuft worden, sagte ein Pentagon-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannte werden wollte, der Zeitung.