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Es war in den achtziger Jahren, als die ersten Technovideos dem Betrachter eine Explosion von Mustern, Farben, Fantasiefiguren und digitalen Animationen boten. In dieser Zeit erregte das Berliner Label Studio !K7 für seine X-Mix-Serie weltweite Aufmerksamkeit – und heimste Preise ein. Als seien sie mit dem Kindermalgerät Spirograph entworfen, zuckten auch bei !K7 die Wellenlinien über den Bildschirm.

Doch mittlerweile hat die Wirklichkeit solche Klangvisualisierungen überholt, dergleichen wird höchstens noch an Kunsthochschulen gelehrt. Der Musikvideomarkt ist mehr in die Breite als in ästhetische Tiefen expandiert, und dasselbe gilt für die Vermarktung der DJ-Kultur auf Tonträgern. Wahllos wird alles, vom netten Indie-B-Seiten-Remix unter Musikerkumpels bis zum "Megarave mit internationalen Star-DJs", als Mehrfach-CD wiedergekäut.

Doch die Macher von !K7 haben rechtzeitig gegengesteuert. 2006 feiern sie das zehnjährige Bestehen ihrer CD-Reihe DJ-KICKS. Als Stefan Struever 1995 zu !K7-Begründer Horst Weidenmüller stieß, entstand die Idee, die Kunst des Plattenmischens auch für den heimischen Hörer spannend zu machen. Namhafte Produzenten wurden gewonnen, die ihre ganz persönlichen Lieblingsmusiken aus unterschiedlichsten Sparten zum Endlosmix zusammenbastelten und jeweils ein exklusives eigenes Stück hinzufügten.

Viele dieser Remixstrecken gerieten zu wahren Künstlerportraits, etwa das DJ-KICKS-Album des Wiener Duos Kruder und Dorfmeister, das 1996 mit dem souligen Dub-Hit Black Baby einen Meilenstein setzte. Ob ein bekannter Musiker des Detroit Techno wie Claude Young den minimalistisch monotonen Bassbeat des Berliner Basic Channel Labels für sich reflektierte, oder ob Massive Attack-Sängerin Nicolette erst mit härtesten Breakbeat- und Drum&Bass-Krachern spielte, bevor sie im eigenen Song wieder die Souldiva rausließ - auf den Alben der DJ-KICKS-Serie geschah oft das Unerwartete.

Auch die Liste der Produzenten könnte kaum vielfältiger sein. In den späten neunziger Jahren präsentierten Terranova oder Thievery Corporation die entspannten Klänge von Underground Ambient und Trip Hop, von 2000 an kamen neue Trends wie Electroclash und Discopunk hinzu, vertreten durch DJ Tiga und Playgroup. Coole Heimpartytrickser halten für schräge Tanzeinlagen stets die DJ-KICKS von  The Glimmers parat, und wenn Vikter Duplaix als Allround-Stylist den Charme des Soul versprüht, hat das mit der Klangtapete einer Akademiker-Bar nichts gemein.

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Sympathischen Kuriositäten sind auf DJ-KICKS keine Grenzen gesetzt, wie etwa bei den Chicken Lips, die den feministisch gejodelten  African Reggae von Nina Hagen aufmischen. Nicht zu vergessen die jüngsten Talente des elektronischen Popsongs aus Skandinavien, Erlend Øye und Annie. Während  Erlend Øye sich aktuellen Indie-Pop und neoklassischen Kölner Techno schnappt und genial über den Mix hinweg singt, gestaltet Annie auf der im Herbst 2005 erschienenen vierundzwanzigsten DJ-KICKS ein tönendes Poesiealbum, auf dem widerspenstiger Elektropunk mit plastikbuntem Discopopsirenen Seite an Seite steht.

Nicht jeder Track in der persönlichen Plattensammlung von DJ-KICKS ist ein Glücksgriff, doch selbst die langweiligen Strecken fügen sich in die liebevolle Atmosphäre ein - wie im Lieblingsclub wartet man gern auf den nächsten Höhepunkt. Die 14 schönsten der eigens von den Künstlern in 10 Jahren DJ-KICKS komponierten Höhepunkte sind nun auf der Jubiläumscompilation The Exclusives versammelt.

Und weil mitfeiern so schön ist, gab es ein schönes Paket aus 10 einzelnen CD-Alben der DJ-KICKS-Reihe zu gewinnen! Die Lösung des DJ-KICKS-Preisrätsels lautete "Kings of Convenience", Petra Pfänder aus Dortmund meldete sich als Erste mit der richtigen Antwort, sie erhält in den nächsten Tagen ein CD-Paket von !k7.