Es war die Woche der Diven und Entertainer: Liza Minnelli und Charles Aznavour beehrten Deutschland mit Konzerten. Das Echo findet sich in der Presse.

Bereits in der vergangenen Woche widmete die taz der „Tingeltangelträumerin“ eine komplette Zeitungsseite. taz -Autor Jan Feddersen zeichnete den Weg des Showmonuments nach: von den Siebzigern bis heute.

Kollege Manuel Brug besuchte ein Konzert der 59-Jährigen und sah eine „Stimmungskanone im Fronteinsatz“. In der Welt schreibt er, sie sei „manisch gut gelaunt, immer zu artifiziell, in der Gestik zu groß, falsche Gefühle ausstellend, doch – ganz allein mit dem Mikrophon vor dem Glitzervorhang – richtig, hinreißend, einzigartig.“ Eine kleine Randanekdote verdient besondere Erwähnung: „Im Saal aber saß still und manierlich einer, der zwar keine Diva ist und wohl auch die Fackel des Entertainment nicht unbedingt weiter tragen wird, aber der zumindest Pop und Showbiz ein wenig versöhnt, schräg, glamourös und sehr gefühlvoll: Rufus Wainwright

Auf einige Jahrzehnte Bühnenerfahrung mehr als Lisa Minnelli kann der französische Schauspieler und Chansonier Charles Aznavour blicken. Er hat in den Filmen von François Truffaut und Godard gespielt, und stand im zarten Alter von neun Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne. Aktuell ist er auf seiner Abschiedstournee.

Tilman Spreckelsen hat für die FAZ das Konzert in der Alten Oper in Frankfurt besucht. Er konstatiert: „Ein großes Konzert“. Gelegentlich lasse sich das Arbeitsethos eines Mannes erahnen, „der sein Handwerk in den dreißiger und vierziger Jahren gelernt hat, als sich der Respekt vor dem Publikum in exzellentem Handwerk niederschlug.“ Spreckelsen empfiehlt: „Castingsuperstars der Welt, schaut auf diese Hand, (…) schaut auf die wippenden Fußspitzen, die sanft gleitenden Schuhsohlen, die mit exakt abgemessener Bodenhaftung schleifen, während der äußerst elegante ältere Herr im schwarzen Anzug zum schwarzen Hemd, mit den dunklen Brauen und den schlohweißen Haaren über die Bühne tänzelt, hier und da ins Publikum deutet und dabei nie die Distanz zwischen Unterhalter und Kumpel überschreitet – sein Winken ist so, dass man es als Teil der Darbietung versteht, aber nie zurückwinken würde.“

Vorbildlich empfände diese altmodische Noblesse vermutlich der momentan viel geschmähte FAZ -Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier , dem ein Akteur im Frankfurter Schauspiel deutlich zu nahe kam. Die Kollegen berichteten.