Drittes Gold für Michael Greis in Turin, goldenes Doppel für Bob-Pilot Andre Lange, dazu die jeweils neunte Olympia-Medaille für Claudia Pechstein und Uschi Disl sowie noch einmal Silber für Kati Wilhelm – mit einem furiosen Finale hat die deutsche Olympia-Mannschaft am Wochenende den Spitzenplatz im Medaillenspiegel zurückerobert, den sie vor vier Jahren an Norwegen verloren hatte. Mit elf Gold-, zwölf Silber- und sechs Bronzemedaillen setzte sich das Team nach vierundachtzig Entscheidungen vor den USA und Österreich durch. "Der Deutsche Skiverband (DSV) hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland die Nummer eins in der Nationenwertung geworden ist", stellte Verbandspräsident Alfons Hörmann seinen Sportlern ein glänzendes Zeugnis aus. "Das hatte nichts mit Glück zu tun, sondern ist der Umsetzung der Strukturen zuzuschreiben", betonte Hörmann.Auch Bundespräsident Horst Köhler würdigte die Erfolge der deutschen Mannschaft und dankte allen, die zu der "großartigen Leistung" beigetragen hatten. "Der Medaillenspiegel zeigt, was wir leisten können, wenn wir alles geben", erklärte Köhler am Sonntag, und natürlich meinte er damit nicht allein die Sportler: Diese hätten auch der gesamten deutschen Bevölkerung "vorgemacht, wie man sich den Erfolg erkämpft: Durch Leistung, aber auch durch Persönlichkeit, und immer im Team".Wieder auf Sport bezogen sagte Köhler, der Sieg sei aber nicht das Wichtigste: "Entscheidend ist, dass wir Sportfans uns darauf verlassen können, dass die Höchstleistungen unserer Sportlerinnen und Sportler im fairen Wettbewerb erbracht worden sind".Der DSV will sich aber trotzdem nicht auf seinem stattlichen Berg von Medaillen ausruhen. Der Erfolgsgarant der deutschen Olympiamannschaft plant weit reichende Umstrukturierungen im Unterbau. "Wir sind glücklich und ein bisschen stolz. Wir wollten fünfzehn Medaillen gewinnen, das war ein hohes Ziel. Dass wir das erreicht haben, spricht für die gute Arbeit der vergangenen vier Jahre", sagte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Achtzehn Medaillen hatten die DSV-Athleten auch in Salt Lake City gesammelt, allerdings war der Goldanteil in Turin größer.Selbst die schwachen Auftritte verdarben niemandem die gute Stimmung, wenngleich die enttäuschende Leistung der Skispringer und alpinen Rennfahrer bereits seine Schatten vorauswirft. "Wir werden uns nach der Saison zügig zusammen setzen, um über die Probleme zu reden und Schlussfolgerungen zu ziehen, damit es 2010 besser läuft", kündigte Pfüller tief greifende Maßnahmen bei den Sorgenkindern des Verbandes an. Ins Detail wollte er noch nicht gehen. "Da geht es auch um Personen, darüber möchte ich jetzt noch nicht sprechen", sagte Pfüller. Für den Moment aber ging Pfüller mit den Olympia-Verlierern nicht allzu hart ins Gericht "Zwei vierte Plätze durch die Springer, davon einer knapp am Podest vorbei, waren realistische Ergebnisse. Und die Alpinen machen schwere Zeiten durch.", erklärte der Sportdirektor.Überschwängliches Lob gab es dagegen für die deutschen Skijäger. "Die Biathleten waren überragend. Elf Medaillen in zehn Wettbewerben, das war grandios. Ich weiß nicht, ob das jemals wieder zu erreichen ist. Ich habe jedenfalls meine Zweifel", sagte Pfüller. Siebenmal Edelmetall gab es zudem für die Nordischen Kombinierer und die Langläufer.Kein Wunder, dass der DSV mit fast allen Bundestrainern die nächsten vier Jahre in Angriff nehmen will. Unumstritten sind Frank Ullrich und Uwe Müssiggang im Biathlon, Jochen Behle als Trainer der Langläufer und Hermann Weinbuch für die Nordischen Kombinierer. Aber auch Skisprung-Coach Peter Rohwein genießt weiter das Vertrauen des DSV. Der Trainer der alpinen Damen Wolfgang Maiersoll dagegen auf eine "verantwortungsvolle Funktion im DSV" versetzt werden. Sein Nachfolger steht noch nicht fest.Damit es in vier Jahren weiter geht mit dem Medaillensegen, soll vor allem der Ausbau der Nachwuchszentren vorangetrieben werden. Auf acht Stützpunkte in sechs Bundesländern setzt der DSV, von denen bislang nur die in Oberhof und Oberwiesenthal/Klingenthal effizient arbeiten. "Unsere bisherigen Voraussetzungen sind noch nicht ideal, aber wir sind schon Weltspitze. Wenn wir unsere Strukturen umsetzen, können wir auch in vier und acht Jahren große Erfolge feiern", betonte DSV-Verbandspräsident Hörmann. Der erfolgreichste deutschen Athlet in Turin aber war Michael Greis. Nach seinem Sieg beim Massenstart über 15 Kilometer flog der Biathlet heute als erster Deutscher mit drei Goldmedaillen von olympischen Winterspielen nach Hause ins Allgäu. Besser stand am Ende nur der südkoreanische Shorttracker Ahn Hyun-Soo da, der neben drei Olympiasiegen auch noch eine Bronzemedaille einheimste. Seine Landsfrau Jin Sun-Yu wurde mit drei Mal Gold auf der kurzen Eisschnelllauf-Bahn zur erfolgreichsten weiblichen Teilnehmerin der Spiele. Der Deutsche Andre Lange machte mit dem Olympiasieg im Viererbob unterdessen sein goldenes Doppel perfekt. Er trat damit in die Fußstapfen von Wolfgang Hoppe, der 1984 in Sarajevo ebenfalls mit beiden Schlitten Olympiasieger geworden war. Bei seinem Start-Ziel-Sieg im Eiskanal von Cesana ließ der Oberhofer mit seiner Crew Rene Hoppe, Kevin Kuske und Martin Putze den Russen Alexander Subkow und Martin Annen aus der Schweiz hinter sich und wiederholte seine Gold-Fahrt von Salt Lake City.Das letzte Gold der XX. Olympischen Winterspiele ging nicht an Deutschland - aber die Deutschen standen auch gar nicht im Finale des letzten Turniers: Durch ein 3:2 im Finale gegen Finnland sicherte sich das "Drei-Kronen-Team" der Schweden den Olympiasieg im Eishockey. Zuvor hatte der Italiener Giorgio di Centa den Gastgebern im 50 km-Skimarathon das fünfte Gold beschert. Im letzten alpinen Wettbewerb feierte Österreich erstmals seit der Ära von Toni Sailer 1956 wieder einen Dreifach-Triumph. Benjamin Raich, Reinfried Herbst und Rainer Schönfelder belegten im Slalom die Plätze eins bis drei. Italiens Favorit Giorgio Rocca schied ebenso aus wie die Deutschen Alois Vogl und Felix Neureuther.