Die Vogelgrippe hat vermutlich den ersten europäischen Hof mit Nutzgeflügel befallen. Der Erreger tötete in einem ostfranzösischen Putenzuchtbetrieb in Versailleux, Département Ain, 400 Tiere, berichtete das Pariser Landwirtschaftsministerium am Samstag. Auf dem Hof wurden daraufhin alle rund 11.000 im Stall gehaltenen Tiere gekeult. Fünf Mitarbeiter des französischen Betriebes wurden vorbeugend medizinisch behandelt, die Gebäude desinfiziert, eine Beobachtungszone eingerichtet.

Der Hof liegt in der Region Bresse, deren Geflügel weltweit als Delikatesse gilt. Nach Informationen des Direktors des Friedrich-Loeffler-Instituts für Mikrobiologie an der Universität Greifswald, Lutz Gürtler, war das französische Geflügel mit dem hoch krankheitserregenden Virustyp Asia infiziert. Dies wurde zunächst noch nicht offiziell bestätigt. Die französische Verbraucherschutzbehörde Affsa ließ Agenturberichten zufolge aber verlauten, dass das Virus aus dem Putenbestand zu 99 Prozent mit jenem Erreger übereinstimmt, den man zuvor in Wildenten gefunden hatte. Der Putenmastbetrieb liegt innerhalb der Sperrzone um die Fundorte der Enten.

Der französische Präsident Jacques Chirac aß am Samstag auf einer Agrarmesse in Paris demonstrativ ein Bresse-Huhn und erklärte, dass für den Verbraucher "absolut keine Gefahr von Geflügel und Eiern" ausgehe. "Doch leider entwickelt sich eine Art völlig ungerechtfertigter Panik mit allen wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen." Die Medien müssten dem entgegenwirken und aufklären.

Unterdessen gibt es in Deutschland zwei neue Infektionsfälle bei Wildvögeln. Mit Brandenburg sind seit Samstag nunmehr vier Bundesländer betroffen.