Die Zahl der nachgewiesenen Vogelgrippefälle in Deutschland hat sich auf 140 erhöht. Allein auf der Ostseeinsel Rügen sei das gefährliche Virus H5N1 115 Mal nachgewiesen worden, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag in Berlin. An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns seien 11 Fälle registriert worden, in den vier anderen betroffenen Bundesländern - Schleswig-Holstein, Baden- Württemberg, Brandenburg und Bayern - insgesamt 14.

Bestätigt wurde am Donnerstag außerdem, dass die auf Rügen gefundene infizierte Katze mit der hochpathogenen Form des Virus' infiziert war. "Das Virus ist dadurch räumlich näher an den Menschen herangerückt", sagte Seehofer. Auch wenn es bisher keinen Hinweise darauf gebe, dass Menschen sich beispielsweise in Asien an Katzen angesteckt hätten, habe man sich dennoch zu verschärften Schutzmaßnahmen entschieden, um das Risiko zu minimieren.

So sollen Hunde und Katzen sowohl in den Sperrzonen, also im Umkreis von drei Kilometern um den Fundort eines infizierten Tieres, als auch in den Überwachungszonen, die zehn Kilometer umfassen, nach der nun in Kraft tretenden Verordnung nicht mehr frei herumlaufen dürfen. Ausnahmen können nur für eine Beobachtungszone als Ganzes, nicht aber in Einzelfällen beschlossen werden. Nachlässigkeit kann Haustierbesitzer teuer zu stehen kommen. Bußgelder könnten im Höchstfall einen fünfstelligen Betrag ausmachen, sagte Seehofer. Er betonte aber, die Behörden würden mit Augenmaß vorgehen. Zur Sperrzone wird ein Gebiet für 21 Tage nach einem Fund erklärt, zur Überwachungszone für 30 Tage. Danach dürfen Hunde und Katzen wieder ins Freie, wenn kein neuer Vogelgrippefall in dem gesperrten Gebiet gemeldet wird.

Obwohl Seehofer sichtbar bemüht war, jeder Form von Panik entgegenzutreten , ermahnte er gleichwohl alle Tierbesitzer zu einem aufmerksamen Umgang mit ihren Hausgenossen. So sollten Tiere, die Krankheitssymptome hätten, zum Arzt gebracht werden, sagte er. Dies gelte für das gesamte Bundesgebiet.

Des Weiteren wurde in den Sperr- und Überwachungsgebieten ein generelles Zugangsverbot zu Stallungen für betriebsfremde Personen beschlossen. Dazu habe man sich auch entschlossen, da es in Frankreich nun Hinweise darauf gebe, dass sich die Vogelgrippe unter Nutztieren nicht wegen infizierten Strohs ausgebreitet habe, wie man zuerst vermutet hatte, sondern wohl eher, weil zu viele Menschen Zugang zu den Ställen gehabt hatten.

Der Minister kündigte außerdem an, in den Überwachungsgebieten künftig nicht nur Vögel sondern auch fleischfressende Tiere stärker zu kontrollieren. Man werde nun aber keinesfalls dazu übergehen, alle streunenden Katzen zu erschießen. Dazu gebe es keine Veranlassung. Ob Badegewässer überprüft werden sollten, müsse man abwarten. Das werde von der Entwicklung der Seuche bis zum Sommer abhängen.

Mit Wissenschaftlern aus mehreren Ländern habe man sich auch über das Thema Impfung beraten , sagte Seehofer. Bislang komme dies in Deutschland aber höchstens für Zootiere in Frage, da diese nicht in die Nahrungskette gelangen können. Auch in Frankreich, wo mit einer Impfung bereits experimentiert wird, mache man wegen der damit verbundenen Gefahren und Risiken davon weit weniger Gebrauch als ursprünglich geplant. Tiere, die den Impfstoff bekommen, werden zwar nicht krank, scheiden das Virus aber aus und können es so auch weiterverbreiten. Gleichwohl bleibe es ein wichtiges Ziel, einen wirksamen Impfschutz zu entwickeln. Die Forschung auf diesem Gebiet werden ausgeweitet, versprach Seehofer. ( ks.