ZEIT online: Herr Bobic, Sie kennen Jürgen Klinsmann seit vielen Jahren. Was geht nach einem solchen Spiel in ihm vor?

Bobic:Jürgen wird ganz gewiss irritiert sein vom Verlauf dieses Spiels und vom Ergebnis. Er hat immer vermutet, dass es ein ganz schwerer Ritt werden wird in Richtung WM. Nach dem Spiel gegen die Italiener ist das zur Gewissheit geworden. Nach außen jedoch wird er zu seinem Konzept, seinen Spielern und auch zu seinem ungebrochenen Optimismus stehen.

ZEIT online: Viel andere Möglichkeiten bleiben auch nicht, schließlich stand in Florenz seine Wunschformation auf dem Platz.

Bobic: Nein, es gibt zu dieser Mannschaft, aber auch zu dem eingeschlagenen Weg, keine sinnvolle Alternative. Aber selbst wenn es die gäbe: Schon als Spieler hat Jürgen immer, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, genau das auch durchgezogen.

ZEIT online: Woran lag es, dass das Team so unter die Räder kam?

Bobic: Nach einem Start mit zwei Gegentoren nach acht Minuten ist es schwer, so ein Spiel noch zu drehen. In einem Punkt jedoch kann man eine kritische Frage stellen: Wieso wurde, nach dem 0:1, aber auch nach dem 0:2, nicht erst einmal das Spiel geordnet? Man hatte noch über 80 Minuten, um wieder ins Spiel und dann möglicherweise auch zum Anschlusstor oder zum Ausgleich zu kommen. Statt das Spiel zu beruhigen, sind wir den Italienern ins offene Messer gelaufen.

ZEIT online: Haben die erfahrenen Spieler versagt?

Bobic: Das wäre zu einfach als Erklärung. Die Mannschaft als ganzes war schwer indisponiert. Ein solcher Spielbeginn ist aber für jede Mannschaft ein echter Albtraum.

ZEIT online: Viele Spieler wollten sich in der Nationalmannschaft den Frust der Nichtberücksichtigung oder der Formschwäche in ihren Vereinsmannschaften vom Leibe spielen. Wie kehren Metzelder, Deisler, Podolski und Co. nun in die Bundesliga zurück?

Bobic: Jetzt ist die Lage genau umgekehrt. Die Bundesliga und die Champions League muss allen helfen, dieses traumatische Erlebnis von Florenz möglichst schnell abzuhaken. Die dürfen jetzt ein, zwei Tage eigentlich keine Zeitung lesen, müssen abtauchen und dann am Wochenende versuchen, in optimaler Verfassung zu sein. Nicht ganz leicht.

ZEIT online: Ein Wort noch zur deutschen Innenverteidigung

Bobic: Die hat heute eine Lektion auf allerhöchstem Niveau für ihr Fußballerleben erhalten, die die betroffenen Spieler vermutlich lange nicht vergessen werden.

Die Fragen stellte Moritz Müller-Wirth