Wenige Tage nach der 1:4-Pleite in Italien geht die massive Schelte für Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann in eine neue Runde. Beckenbauer schimpfte am Montag über dessen Abwesenheit beim Workshop. Inzwischen verlangen Politiker aus Koalition und Opposition von dem in den USA lebenden Teamchef der deutschen Nationalmannschaft sogar, die dreimonatige Vorbereitungszeit bis zur Fußball-WM in Deutschland zu verbringen. Rückendeckung erhielt Klinsmann dagegen vom für den Sport zuständigen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Von Beckenbauer, der sich unmittelbar nach dem Italien-Spiel mit scharfen Worten noch zurückgehalten hatte, bekam Klinsmann am Montag die Leviten gelesen. "Es ist eine Frage der Höflichkeit. Wir reisen um die ganze Welt, um den WM-Teilnehmern unsere Anerkennung und unseren Respekt auszudrücken. Und er ist bei dieser Veranstaltung nicht da. Dafür habe ich kein Verständnis", sagte Beckenbauer, der kurz vor Abschluss seiner Welttournee bei allen WM-Teilnehmern steht.

"Es hat einfach keinen Sinn. Ich habe oft mit ihm gesprochen, dass er jetzt mehr in Deutschland zu sein hat. Es ist die Hauptzeit", sagte Beckenbauer weiter. Das Fehlen Klinsmanns in Düsseldorf konnte der "Kaiser" nicht akzeptieren. "Der Bundestrainer des Gastgeberlandes hätte da sein müssen. Das ist überhaupt keine Frage", schimpfte Beckenbauer bei der Eröffnung des Workshops und war sichtlich bemüht, seinen Zorn im Zaum zu halten: "Wenn ich weiter darüber nachdenken würde, würde meine Wortwahl noch drastischer."

Klinsmann verteidigte trotz der harschen Kritik seine Entscheidung. "Sachlich war mein Erscheinen nicht unbedingt notwendig - da haben wir Joachim Löw, und ich finde die aktuellen Diskussionen auch eine Missachtung ihm gegenüber. Er hat alle sportlichen Dinge unter Kontrolle, die besprochen wurden. Das Repräsentative erledigt Oliver Bierhoff - und auch hier ist der DFB erstklassig vertreten", sagte Klinsmann der Bild -Zeitung.

"Ich halte nichts davon, mitten im Strom die Pferde zu wechseln. Jürgen Klinsmann hat mein Vertrauen", zitiert die Bild - Zeitung Innenminister Schäuble in ihrer Dienstagsausgabe. Der Nationaltrainer habe "gewiss keine einfache Aufgabe übernommen". Der deutsche Fußballbund, der ihn engagiert habe, habe gewusst, "dass Klinsmann nicht pflegeleicht ist". Er gehe "seinen Weg mit einer Konsequenz, die schon wieder beeindruckend ist", fügte Schäuble hinzu.

"Der Bundestrainer wäre gut beraten, jetzt hier zu sein", meinte dagegen der CSU-Vertreter im Sportausschuss des Bundestages, Stephan Mayer, in der Dienstagsausgabe der Passauer Neuen Presse . Die Weltmeisterschaft in Deutschland sei ein Ereignis von nationaler Bedeutung. Das müsse auch dem Bundestrainer klar sein. Mayer: "Herr Klinsmann muss jetzt seine privaten Interessen bis zur WM zurückstellen."