Wenige Tage nach der 1:4-Schlappe in Italien mischen sich am Dienstag immer mehr Politiker in die Debatte um den Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann ein. Neben der zunehmenden Kritik mehren sich auch Stimmen, die zur Zurückhaltung mahnen. So erhielt der Teamchef Rückendeckung von dem für Sport zuständigen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und von SPD-Fraktionschef Peter Struck. Klinsmann selbst wies die Kritik zurück.

Politiker aus Koalition und Opposition verlangten am Dienstag von dem in den USA lebenden Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, die dreimonatige Vorbereitungszeit bis zur Fußball-WM in Deutschland zu verbringen. So verglich der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), den Endspurt zur WM mit der heißen Phase von Wahlkämpfen, in denen es für Politiker auch gelte, unmittelbar vor Ort in ihren Wahlkreisen zu sein. "Es wäre schon angebracht, dass er in dieser Phase der Vorbereitungen hier wäre."

"Ich halte nichts davon, mitten im Strom die Pferde zu wechseln. Jürgen Klinsmann hat mein Vertrauen", sagte Schäuble der Bild - Zeitung. Er gehe "seinen Weg mit einer Konsequenz, die schon wieder beeindruckend ist". Auch Struck sagte, es sei "richtig, was Klinsmann macht". Er verstehe die Kritik am Bundestrainer nicht. Der FDP- Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt mahnte im Sender N24, sich jetzt auf die WM zu konzentrieren. "Es macht ja keinen Sinn, dass man jetzt ein Stück Aufbauarbeit (...) wieder über den Haufen wirft."

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sieht steuerliche Gründe hinter Klinsmanns langen USA-Aufenthalten. "Ich vermute hier ein Motiv, das heißt, aus gewissen steuerlichen Gründen mindesten 183 Tage im Jahr im Ausland zu sein", sagte Ramsauer in Berlin der dpa . Der CSU-Vertreter im Sportausschuss des Bundestages, Stephan Mayer, verlangte von Klinsmann, seine privaten Interessen zurückstellen. "Der Bundestrainer wäre gut beraten, jetzt hier zu sein", sagte er der Passauer Neuen Presse .

Der FDP-Obmann im Ausschuss, Detlef Parr, sagte dem Blatt: "Das Länderspiel gegen Italien muss verarbeitet werden. Da gehört Jürgen Klinsmann mit seiner ganzen Autorität nach Deutschland." Der SPD- Innenexperte Dieter Wiefelspütz attackierte den Deutschen Fußball- Bund. "Der DFB hätte sich niemals darauf einlassen dürfen, dass der Bundestrainer ein Mega-Ereignis wie die WM aus Kalifornien betreut."

Die Grünen lehnen eine politische Debatte über den Bundestrainer ab. Bundesvorstandsmitglied Omid Nouripour nannte es kaum erträglich, wie sich einzelne Abgeordnete einmischten. Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sagte der Netzeitung : "Es ist wurst, wo Herr Klinsmann schläft." Er sei gespannt, ob im Bundestag noch beantragt werde, über die Aufstellung der Nationalmannschaft abzustimmen.

Am Wochenende hatten stellvertretende Mitglieder des Bundestags- Sportausschusses gefordert, Klinsmann müsse dem Gremium erläutern, wie er mit der gegen Italien gezeigten Leistung Weltmeister werden wolle. Der Ausschussvorsitzende Peter Danckert (SPD) lehnte diesen Vorstoß als "Schnapsidee" ab.