Die Kommunalwahlen in den Niederlanden am Dienstag gelten gut ein Jahr vor der Parlamentswahl als Stimmungstest für die Regierung in Den Haag. Die Ergebnisse werden sich nach Ansicht der Meinungsforscher aber nicht ohne weiteres auf Landesebene übertragen lassen.

Die Kommunalwahlen im März 2002 waren zu einem Triumph für den Rechtspopulisten Pim Fortuyn geworden, der kurz danach von einem radikalen Tierschützer ermordet worden war. Aus dem Stand wurde seine Partei damals in Rotterdam zur stärksten Kraft. Überall zogen Fortuyns Gefolgsleute in die Stadtparlamente ein.

Das löste ein politisches Erdbeben aus: Wenig später, im Mai desselben Jahres, erreichte die "Liste Pim Fortuyn" siebzehn Prozent der Stimmen im niederländischen Parlament. Der christdemokratische Wahlsieger und neue Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende musste sie als neuen Koalitionspartner akzeptieren. Allerdings hielt diese Koalition nur wenige Monate. Bei den vorgezogenen Wahlen 2003 brach die Fortuyn-Partei ein und kam nur noch auf ein einstelliges Ergebnis. Seither führt Balkende eine Koalition aus Christdemokraten, Links- und Rechtsliberalen. Die nächste landesweite Wahl wird voraussichtlich im Mai 2007 stattfinden.

Umfragen zu den Kommunalwahlen sagen voraus, dass die sozialdemokratische Arbeitspartei (PvdA) an diesem Dienstag die Verluste wieder wettmachen könnte, die Fortuyn ihr vor vier Jahren zufügte. Die Sozialdemokraten stehen seit langem wieder an erster Stelle in den landesweiten Umfragen, ihr bürgernaher Vorsitzender Wouter Bos sieht sich schon als kommender Ministerpräsident. Bei den Wahlen 2003 hatte Bos seine Partei wieder zu einer starken Kraft machen können, nachdem die Sozialdemokraten im Jahr zuvor einen historischen Einbruch hatten hinnehmen müssen.

Balkenendes Christdemokraten (CDA) und der rechtsliberale Koalitionspartner VVD haben dagegen an Popularität eingebüßt und müssen auch in den Kommunen mit Verlusten rechnen. Das Institut tns-nipo sieht den Anteil der CDA bei diesen Wahlen von 20,5 in 2002 auf 12 Prozent einbrechen, die VVD könnte demnach von 15,8 auf 10 Prozent sinken. Die PvdA dagegen könnte ihren Anteil von 16 auf 31 Prozent fast verdoppeln.