So etwas hat Bayern seit mindestens zwanzig Jahren nicht erlebt, und in München mag sich gar niemand an einen solch chaotischen Winter erinnern: Stromausfälle, gestrichene Flüge, steckengebliebene Züge, vom Eis festgesetzte Binnenschiffe und endlose Staus am Wochenende - im Süden Deutschlands ging am Wochenende nichts mehr. Inzwischen hat sich die Lage zwar etwas entspannt, doch werden die Schneefälle andauern. Umso schwerer dürfte die Entscheidung der Dienstleistergewerkschaft Ver.dis wiegen, auch in der kommenden Woche die Arbeitsniederlegungen fortzusetzen und allein in Bayern 14 Straßenmeistereien zu bestreiken.

Ver.di will den Druck auf die Arbeitgeber weiter erhöhen, und die aktuelle Wetterlage im Süden Deutschland kommt der Dienstleistungs- gewerkschaft offenbar gelegen: Trotz Schneemassen gingen die Streiks am Montag in die fünfte Woche. Schwerpunkt des Arbeitskampfes soll wiederum das vom Winter ebenfalls hart getroffene Baden-Württemberg sein. Ver.di-Verhandlungsführers Kurt Martin sagte, die Gewerkschaft wolle sich "nicht weiter von den Arbeitgebern provozieren lassen". Martin warf den Ländern vor, an "diktatorischen Positionen" festzuhalten. In Bezug auf die Wetterlage in Süddeutschland forderte FDP-Generalsekretär Niebel der Passauer Neuen Presse , die Streikleiter für Sachschäden und Unfallopfer zur Verantwortung zu ziehen.

Am kommenden Freitag ist ein neues Spitzengespräch auf Länderebene geplant. Mit den Streiks wehren sich die Arbeitnehmer gegen eine längere Wochenarbeitszeit und gegen Abstriche beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Trotz der heftigen Schneefälle und winterlichen Straßenverhältnisse in Bayern waren die Streiks schon am Sonntag in sechs bayerischen Autobahnmeistereien fortgesetzt worden. Wie ein Sprecher der Gewerkschaft sagte, würden die Autobahnmeistereien Pfraundorf, Trockau und Münchberg sowie Freising, München Nord und Tennenlohe ihre Arbeit weiterhin nicht aufnehmen. In der Nacht zum Sonntag sei in den betroffenen Meistereien nur ein Drittel der Fahrzeuge im Einsatz gewesen. Durch den Streik habe sich die Lage auf den Autobahnen aber nicht verschärft. Ähnlich hatte sich am Samstag auch der Verkehrslagedienst geäußert. Die Situation auf den Straßen wäre bei vollständiger Besetzung kaum besser gewesen, hieß es dort. Ver.di besteht darauf, dass die Personaldecke in den Straßenmeistereien unzulänglich ist.

Unterdessen gönnt der Winter den südlichen Bundesländern keine größere Verschnaufpause. Am Montag hatte sich die Lage etwas entspannt und der Schneefall ließ nach. Die Autobahnen in Baden-Württemberg und Bayern waren nach Polizeiangaben seit Montag früh wieder frei befahrbar. Auch die meisten Bahnstrecken waren nicht mehr blockiert, in Bayern blieben lediglich Nebenstrecken gesperrt.

Dennoch behindern die Schneemassen weiter das öffentliche Leben. Bäume drohen unter der nassen Last zusammenzubrechen, die Gefahr von Dacheinstürzen wächst stetig an. Für die kommenden Tage rechnen die Wetterdienste mit weiteren Niederschlägen. In den Alpen herrscht große Lawinengefahr, für einige Regionen wurde Warnstufe vier ausgerufen. In manchen Skigebieten wurden Lawinen vorsorglich gesprengt.

Am Sonntag waren in München und Augsburg stundenlang weder Straßenbahnen noch Busse gefahren. Nur die U-Bahnen verkehrten planmäßig. Zahlreiche Flüge wurden abgesagt. In der bayerischen Landeshauptstadt waren am Wochenende binnen 24 Stunden mehr als 40 Zentimeter Schnee gefallen. Rund 10.000 Menschen im Freistaat waren zeitweise ohne Strom. Auch in Baden-Württemberg hatte das winterliche Wetter für zahlreiche Verkehrsbehinderungen gesorgt. Außerdem hatte der Schneefall und der Rückreiseverkehr zu den längsten Staus dieses Jahres geführt, allein am Samstag ging es auf insgesamt mehr als 300 Kilometern in Bayern nur im Schritttempo voran.