Nach nur zwei Wochen Streik haben sich die Tarifpartner des öffentlichen Dienstes in Hamburg geeinigt. Während in Baden-Württemberg oder Niedersachsen der Müll weiterhin von privaten Unternehmen abgefahren wird und die Stadtreinigungen den Ausstand proben, müssen sich Hamburgs Müllmänner nun mit 25.000 Tonnen liegengebliebenem privaten Hausmüll auseinandersetzen.

Bei näherer Betrachtung erscheint das Hamburger Ergebnis allerdings reichlich verquer. Nach ersten Aussagen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sollen künftig Beschäftigte bestimmter Entgeltstufen 39 Stunden in der Woche arbeiten. Das aber nur, wenn sie jünger als 50 Jahre sind und keine Kinder unter zwölf Jahren haben. Wer dagegen Kinder bis zwölf Jahre erzieht und noch keine 50 ist, soll 38,5 Stunden arbeiten. Für Beschäftigte, die älter als 49 Jahre alt sind, gilt dagegen eine Wochenarbeitszeit von 38 Stunden.

Wird nun in der Summe mehr oder weniger gearbeitet? Welche Lohngruppen trifft es überhaupt? Müllwerker, die älter als 50 sind, gibt es beispielsweise kaum. Viele von ihnen scheiden vorzeitig aus, weil der Job sie verschlissen hat. In diesem Fall wäre das Tarifergebnis also eine Arbeitszeitverlängerung. Aber gilt das auch für Kindergärten, Krankenhäuser, die Straßenreinigung?

Ohnehin zeugt der ganze Tarifstreit nicht von großer Realitätsnähe. Denn während Gewerkschaftler und Arbeitgeber sich um die flächendeckende Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche streiten, müssen sich die Staatsbediensteten immer häufiger mit privaten  Konkurrenten auseinandersetzen. Die arbeiten oft kostengünstiger, weil sie Lohn und Arbeitszeit auf ihre Einzelbedürfnisse anpassen können. Manchmal heißt das, mehr Stunden zu arbeiten, in anderen Fällen aber auch weniger. Wieder andere Unternehmen richten flexible Arbeitszeitkonten ein.

Den öffentlichen Arbeitgebern hilft eine pauschale Arbeitszeitverlängerung deshalb wenig. Durch die reine Anwesenheit der Mitarbeiter kann man kein Geld sparen. Und ob Müllabfuhr oder Kindertagesstätten wegen zusätzlichen 30 Minuten in der Woche produktiver werden, ist eher zweifelhaft. Näher liegt die Vermutung, dass nun Stellen gestrichen werden. Und Teilzeitkräfte werden weniger verdienen. Denn wer eine halbe Stelle hat, muss nun Stunden aufstocken. Das ist nicht immer sinnvoll, beispielsweise bei Erzieherinnen im Kindergarten, deren Einrichtung mittags schließt. Wer aber seine alte Stundenzahl behält, verdient weniger, weil sich der Lohn nach der Vollzeitstelle berechnet.

Gerecht ist der Hamburger Abschluss also nicht. Sachlich begründet auch nicht. Der Verdacht liegt nahe, dass da ein Kompromiss geschlossen wurde, um den Streik schnell zu beenden. Und zwar so, dass beide Seiten ihr Gesicht wahren können. Mutiger wäre es allerdings gewesen, Gewerkschaftler und Arbeitgeber hätten sich der privaten Konkurrenz gestellt und ihr Arbeitszeitmodell flexibilisiert. Beispiele dafür gibt es , etwa in Greifswald, wo Stadtbedienstete nur 36 Stunden arbeiten, um die Lohnkosten niedrig zu halten. Auf ähnliche Weise könnten auch anderenorts Jobs gesichert werden. Man müsste sich nur darauf einlassen, für jeden einzelnen Fall die beste Lösung zu finden.